Thermen-Hotel höchstens 60 Meter lang

Antrag der Grünen im Bauausschuss der Gemeinde Roetgen gegen Stimmen der CDU angenommen. Restfläche wird Grünfläche.

Roetgen. Die Roetgen-Therme am Postweg in Roetgen soll um ein Hotel mit 50 Zimmern erweitert werden. Mit der Aufstellung des Bebauungsplans musste sich der Bauausschuss der Gemeinde am Dienstag erneut beschäftigen und machte es sich nicht leicht.

Auf Antrag der Grünen wurde die Länge des geplanten Neubaus zwischen Bundesstraße und Postweg auf maximal 60 Meter Länge begrenzt. Lediglich die Vertreter der CDU stimmten dagegen. Außerdem beantragten die Grünen, die dadurch frei gewordene Restfläche als Grünfläche zu nutzen. Das wurde mit zehn Ja-Stimmen, drei Gegenstimmen der CDU und drei Enthaltungen der UWG beschlossen. Ebenfalls auf Antrag der Grünen wurde einstimmig beschlossen, vor dem Gebäude an der B 258 die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern vorzuschreiben.

Weitere Parkplätze

Der UWG bereitete ein Passus Sorgen, der die Möglichkeit eines Flach- oder Pultdaches ermöglichen würde, wenn der Denkmalschutz des bestehenden Gebäudes entfallen sollte. Auf Antrag der UWG wurde einstimmig beschlossen, diesen Satz zu streichen. Mit Blick auf den hinteren Gartenbereich der Therme will die UWG die Differenzen zum vorherigen Bebauungsplan durch die Verwaltung geprüft wissen. Dem wurde einstimmig zugestimmt.

Diskutiert wurde auch über den Bereich an der Wintergrünstraße, wo sich jetzt Parkplätze der Therme befinden. Auch in Zukunft soll es dort Parkplätze geben. Um mehr Parkraum zu schaffen – möglicherweise in Form eines Parkdecks –, ist in den Plänen ein großes Gebäude vorgesehen. Hier wünschten sich die Politiker eine präzisere Beschreibung, damit dort Parkplätze entstehen und nicht ein großes Gebäude mit einer anderen Nutzung. Die Verwaltung wurde schließlich einstimmig beauftragt, zu prüfen, ob sich die Zahl der Parkplätze vertraglich festhalten lässt und ob eine andere Nutzung des Platzes ausgeschlossen beziehungsweise in kleinerer Dimension festgeschrieben werden kann.

Keine Zustimmung fand der Antrag von Bernd Vogel (PRB), einen größeren Abstand des geplanten Hotelgebäudes zur Straße festzulegen. Nach dem jetzigen Entwurf würde das Gebäude bis knapp an die Bundesstraße reichen. Vogel und die UWG stimmten für den Antrag. Vogels Kollege der PRB, die FDP und die Grünen enthielten sich. SPD und CDU stimmten dagegen.

„Wir sind als Politiker gefordert, genau hinzusehen.“Günther Severain
parteilos

„Der Schwarze Peter wurde der Politik zugeschoben“, hatte der parteilose Günther Severain zu Beginn der Diskussion gesagt. Ein Hotelprojekt in Roetgen sei durchaus sinnvoll. Die Politik müsse aber auch die Interessen der Anwohner beachten. „Der Investor reizt die Möglichkeiten aus und wird nur von seinem Nachbarn gebremst“, sagte Severain.

„Langer und steiniger Weg“

Er schlug eine Reduzierung des geplanten Neubaus auf eine Länge von 60 Metern vor und außerdem den hinteren Bereich des Postwegs zu beruhigen. Die vorgesehenen Gauben an der Straßenfront zur B 258 könnten höher wirken als ein Satteldach. Da sie bis zu 30 Zentimeter an die Gebäudekante reichen würden, könnten sie wie ein zusätzliches Geschoss wirken, erklärte Severain. Er wies daraufhin, dass der neue Bebauungsplan Möglichkeiten für eine weitere Bebauung zu einem späteren Zeitpunkt ohne weitere Genehmigung ermögliche, wenn sich der Ausschuss nicht festlege. „Wir sind als Politiker gefordert, genau hinzusehen. Wir legen heute fest, was gebaut werden darf, und sehen später von dem Bauantrag nichts mehr“, betonte Severain.

„Was hier passiert, gefällt keinem. Die Planungshoheit wird von Anfang an abgegeben. Wir brauchen Pläne und keine groben Festsetzungen“, sagte Silvia Bourceau (UWG). Beim letzten Verfahren sei von Kompromissen die Rede gewesen, sie könne aber keinen erkennen.

Gudrun Meßing (Grüne) erklärte, man wisse nie, was die Zukunft bringe, deshalb sei es wichtig, Festlegungen zu treffen.

Franz-Josef Zwingmann (FDP) sprach von einem „langen und steinigen Weg“. Das Projekt sei wichtig für den Investor und für die Gemeinde. „Der Ausschuss wird es niemandem recht machen, egal wie die Entscheidung ausfällt“, sagte Zwingmann.

Bernhard Müller (Grüne) sagte, man begrüße das Hotelprojekt grundsätzlich, bei der Gestaltung gelte es aber abzuwägen und über Änderungen zu diskutieren. „Wir wollen es nicht verhindern, aber so Einfluss auf die Gestaltung nehmen, dass es zu Roetgen passt“, sagte Müller. Helmut Helzle (CDU) erklärte, es dürfe nicht um „jedes i-Tüpfelchen“ gehen und man solle vermeiden, ganz von vorne anzufangen.

Hintergrund des neuen Bebauungsplans

Um das Vorhaben planungsrechtlich abzusichern, hatte der Rat der Gemeinde Roetgen schon im Jahr 2012 die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 29 „Postweg“ beschlossen. Der Satzungsbeschluss erfolgte im März 2013. Im Juni 2013 stellte ein Anwohner des Postweges einen Normenkontrollantrag beim Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW). Das Gericht erklärte den Bebauungsplan in seinem Urteil dann für unwirksam.

Nun soll mit der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 31 die geplante Erweiterung und langfristige Sicherung des bestehenden Betriebes planungsrechtlich vorbereitet werden. In diesem Zusammenhang soll auch der Flächennutzungsplan, der für diesen Bereich überwiegend gemischte Baufläche und zu geringen Teilen auch Wohnbaufläche vorsieht, geändert werden.

Zu Beginn des neuen Verfahrens hatte der klagende Nachbar eine außergerichtliche Einigung angeboten und vorab den Verzicht auf Rechtsmittel erklärt. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Verkehrssituation im Postweg wie von ihm vorgeschlagen gelöst wird. Dieser Vorschlag sieht vor, den Postweg, der als Einbahnstraße ausgewiesen ist, hinter der Roetgen-Therme mit einem Poller abzusperren. Dafür müssten aber vor der Therme ausreichende Wendemöglichkeiten geschaffen werden.

Eine Einigung zwischen dem Anwohner und dem Investor kam letztlich nicht zustande. Stattdessen hat die Gemeinde eine Vereinbarung mit dem Nachbarn getroffen. Das teilte die Verwaltung auf Anfrage mit.

Quelle: Eifeler Zeitung
Text: Andreas Gabbert

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