Sturm im Gemeindewald legt sich langsam

Nach Kritik der Roetgener Grünen an der Art der Bewirtschaftung kann der Gemeindeförster seine bewährte Arbeit fortsetzen.

Roetgen. Zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen auf den Roetgener Gemeindewald wurden jetzt den Mitgliedern des Forstausschusses präsentiert, begleitet von einer intensiven Diskussion und einem Kompromiss am Ende der fast zweistündigen Debatte.

Die Fraktion der Grünen hatte die Wirtschaftlichkeit des Gemeindewalds grundsätzlich infrage gestellt und eine Kehrtwende weg von der konventionellen Forstwirtschaft gefordert. Die Grünen hatten damit einen ziemlichen Sturm im Gemeindewald und auch in den Verwaltungsfluren ausgelöst, da auch die Arbeit des Gemeindeförsters in Zweifel gezogen wurde.

Grünen-Ratsherr Bernhard Müller hatte in aufwendiger Recherche seine Argumente für eine Umkehr bei der Roetgener Waldwirtschaft zusammengetragen und bereits Ende vorigen Jahres damit eine kontroverse Diskussion angestoßen. Auf diesen Vortrag konterte in einer lebhaften Sitzung mit einer nicht minder ausführlichen Darstellung Gemeindeförster Wolfgang Klubert.

Teilerfolg: Mehr Transparenz

Nach einer Phase der hitzigen und emotionalen Auseinandersetzung kann der Gemeindeförster nun aber seine bewährte Arbeit im Prinzip fortsetzen. Zumindest aber einen Teilerfolg konnten die Grünen mit ihrem Umsturzversuch erreichen: Der Forstwirtschaftsplan der Gemeinde Roetgen soll mehr Transparenz ermöglichen und künftig ausschließlich die Aufwendungen und Erträge der forstlichen Betriebsmaßnahmen enthalten. Am Ende eines Jahres soll jeweils eine Gegenüberstellung der Plan- und Istwerte bei den forstlichen Maßnahmen erfolgen. Außerdem soll die Beratung über den Forstwirtschaftsplan künftig zum Ende des dritten bzw. zu Beginn des dritten Quartals erfolgen. Dieser Vorgehensweise schloss sich der Ausschuss einstimmig an.

Zu Beginn der Sitzung hatte Ratsherr Müller bereits ein wenig für Entspannung mit der Feststellung gesorgt, dass es ihm bei seinem Vorschlag nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Gemeindeförster gehe, sondern darum, Kosten und Nutzen bei der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes sachlich gegenüberzustellen, um damit dem Ausschuss eine Positionsbestimmung zu ermöglichen.

„Unser Wald kann sich
sehen lassen. Ich sehe keinen Grund für die Heftigkeit der grünen Kritik.“Wolfgang Klubert
Gemeindeförster Roetgen

Bernhard Müller sah grundsätzlich mehr Gewinn-Potenzial im Gemeindewald bei einem geschätzten Wert des knapp 1100 Hektar großen Roetgener Gemeindewaldes in Höhe von zwölf Millionen Euro. Da seit 2011 die Holzpreise auf einem hohen Niveau stabil seien, hätte der Gemeindewald in dieser Zeit eigentlich „satte Gewinne“ abwerfen müssen. Doch unter dem Strich stehe ein Negativ-Ergebnis beim Holzverkauf. Mit Vergleichswerten aus ganz Deutschland unterlegte er seine Argumentation. Bei einer ökologischen und extensiven Waldwirtschaft ließen sich im Jahresdurchschnitt rund 200 000 Euro erwirtschaften.

Die vorgelegten Vergleichszahlen konnte Bürgermeister Jorma Klauss nicht akzeptieren, da auch immer die jeweilige Örtlichkeit zu berücksichtigen sei. Außerdem widersprächen die Zahlen eigenen Erkenntnissen. Aus der Sicht der Verwaltung entspricht die Bewirtschaftung des Gemeindeforstes der vergangenen 25 Jahre einer „nachhaltigen und naturnahen Wirtschaftsform“. Dies sei auch von der oberen Forstverwaltung in Zusammenhang mit dem Forsteinrichtungswerk bestätigt worden. Gleichwohl widersetze man sich nicht einer regelmäßigen Überprüfung der Jahresrechnungen als „zusätzliche Steuerungskomponente“. Wesentlich für den Bürgermeister aber war das Ergebnis einer internen Prüfung, wonach die Forstverwaltung „gegen keine Gesetze oder Dienstanweisungen verstoßen hat“.

Gemeindeförster Wolfgang Klubert, seit 25 Jahren im Dienst bei der Gemeindeverwaltung Roetgen, hatte rund eine Woche Recherchearbeit investiert, um die Entwicklung des Gemeindewaldes der zurückliegenden Jahrzehnte zu dokumentieren. Seine Bilanz: „Unser Wald kann sich sehen lassen. Ich sehe keinen Grund für die Heftigkeit der grünen Kritik.“ Die Grünen hätten ein „falsches Bild“ von der Roetgener Forstwirtschaft gezeichnet.

Wenn man, wie von den Grünen gefordert, hingehe und weitere Flächen stilllege, gehe dies eindeutig zu Lasten anderer Wälder weltweit. Deutschland, das jetzt bereits 40 Prozent Nutzholz importiere, müsse seine eignen Ressourcen nutzen. Wenn der weltweite Verbrauch an Wald weiter so fortschreite, „dann gibt es in 195 Jahren keinen Wald mehr“.

Zu behaupten, dass aus dem Gemeindewald jährlich 200 000 Euro Gewinn abgeschöpft werden könnten, „ist einfach unseriös“, sagte Klubert, der auf die Erweiterung von Naturschutzflächen, Renaturierungsmaßnahmen auf 127 Hektar, Erhöhung des Laubholzanteils um neun Prozent in 25 Jahren, die Steigerung des touristischen Potenzials und eine sanfte Waldbewirtschaftung verwies.

Kernfrage Gewinnpotenzial

Bei der kurzen Aussprache kritisierte Helmut Mulorz (SPD), dass die Grünen mit ihrem Vorstoß zwar „nützliche Vorschläge“ unterbreitet, aber auch einen „Privatkrieg“ mit dem Gemeindeförster begonnen hätten. Man sollte an der traditionellen Forstwirtschaft festhalten. „Alternative Bewirtschaftungsformen kommen für Roetgen nicht in Frage.“

Auch Stephan Speitkamp (CDU) sah keinen Grund, „an der Kompetenz des Gemeindeförsters zu zweifeln“. Ebenso sei es auch nicht angebracht, die Arbeit der Verwaltung in Frage zu stellen. Dies trage nicht zur Motivation der Mitarbeiter bei.

Am Ende lenkte dann auch Bernhard Müller ein wenig ein. Auch er sehe die Leistung des Gemeindeförsters, aber die Kernfrage, warum der wirtschaftliche Ertrag des Waldes unter seinen Möglichkeiten bleibe und nur „ein Nullsummenspiel für die Gemeinde ist“, sei für ihn immer noch nicht beantwortet worden. Zu diesem Thema wolle er „eine Diskussion anstoßen“.

Quelle: Eifeler Zeitung
Text und Foto: Peter Stollenwerk

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