Schere geht in der Nordeifel immer weiter auseinander


Wohnlagen wie Hahnbruch in Rott, wo demnächst wohl weitere Grundstücke baureif werden, haben den Bodenrichtwert für den Roetgener Gemeindeteil in den letzten Jahren nach oben schießen lassen. Grundstückskäufer zahlen hohe Preise für das Leben im Grünen in der Nähe zur Stadt Aachen.Foto: Heiner Schepp

Die Bodenrichtwerte und damit die Baulandpreise in der Nordeifel klaffen immer weiter auseinander. Von 180 Euro je Quadratmeter in Rott bis zu 30 Euro im Monschauer 80-Seelen-Dörfchen Widdau reicht die Skala der neuen Bodenrichtwerte, die der Gutachterausschuss der Städteregion Anfang März festgesetzt hat.

Dabei legte der Ausschuss für den Bereich der Nordeifel (Stadt Monschau und die Gemeinden Roetgen und Simmerath) insgesamt 28 verschiedene Preisregionen fest, von denen sich gegenüber dem Vorjahr mehr als die Hälfte preislich veränderten – und zwar fast ausschließlich in eine Richtung.

16 Bereiche wurden teurer; davon vier in einer Größenordnung von zehn Euro und mehr je Quadratmeter, sechs wurden um fünf Euro teurer und weitere sechs Ortslagen legten ein bis zwei Euro für den Quadratmeter Bauland drauf. Alleine im Bereich Monschau (Haag, Hargard, Menzerath) wurden nach 70 Euro im Jahr 2017 im vergangenen Jahr nur noch 65 bis 70 Euro gezahlt.

Orientierung für Käufer

Der Bodenrichtwert gibt den im vergangenen Jahr durchschnittlich gezahlten Quadratmeterpreis für baureifes Land in bebauten Gebieten wieder. Abweichungen eines einzelnen Grundstücks vom Bodenrichtwert in den wertbeeinflussenden Merkmalen und Umständen – wie Erschließungszustand, spezielle Lage, Art und Maß der baulichen Nutzung, landwirtschaftliche Nutzung, Bodenbeschaffenheit, Grundstücksgestalt, insbesondere Grundstückstiefe oder Grundstücksgröße – bewirken in der Regel entsprechende Abweichungen des Verkehrswertes vom Bodenrichtwert.

Der jährlich fortgeschriebene Wert für einzelne Stadtteile, Dörfer und Ortslagen ist nicht bindend für Grundstücksgeschäfte, dient aber von jeher als Orientierung für Käufer und Verkäufer.

Beeinflusst wird er dabei auch von der Zahl der getätigten Grundstücksverkäufe, unterliegt also auch den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage. Und in der Eifel steigt derzeit eher die Nachfrage nach Wohnungen als nach Bauland. Investoren und Projektentwickler haben diese Zeichen der Zeit erkannt und treiben weiterhin Wohnungsbauprojekte in allen drei Eifelkommunen voran, hier bevorzugt in den Zentralorten, also Roetgen, Simmerath und für die Stadt Monschau in Imgenbroich. Eine größere Nachfrage herrscht naturgemäß in den Siedlungsschwerpunkten, also dort, wo eine gute Infrastruktur mit verkehrsmäßig guter Anbindung an Mittel- und Oberzentrum gegeben ist und es gute Einkaufsmöglichkeiten gibt.

Auch wenn Letzteres dort eher nicht der Fall ist, wurden mit 180 Euro für Rott im Jahr 2018 die höchsten Preise im Bereich Bauland gezahlt, direkt gefolgt von der Ortslage Roetgen mit aktuell 170 Euro. In beiden Gemeindeteilen steig der Bodenrtichtwert damit um enorme 15 Euro je Quadratmeter an. Auch auf der anderen Seite (des Waldes) an der B 258, in der Monschauer ortslage Konzen, zogen die Preise im vergangenen Jahr an, und das gleich um bis zu zehn Euro. Der aktuelle Wert von 85 Euro entspricht allerdings exakt der Hälfte des Preises in Roetgen und ist damit zumindest für jene Baulandsuchende eine echte Alternative, denen eine zehn Minuten längere Autofahrrt nach Aachen nichts ausmacht.

Große Preisunterschiede

Ganz ähnlich der Vergleich zwischen zwei potenziellen Neubaubereichen in der Gemeinde Simmerath: Für ein Baugrundstück In der Schlad in Rollesbroich werden aktuell 70 Euro gezahlt, wenige Kilometer weiter auf der B 266 wird man in der Hasselfuhr in Lammersdorf den Quadratmeter kaum unter 110 Euro bekommen. Dagegen ist der Preisunterschied zwischen Simmerath (konstant bei 115) und Kesternich (85) oder Huppenbroich (60) sicherlich eher mit der guten Infrastruktur im Zentralort zu begründen.

Auffällig ist: Die Orte mit den niedrigsten Bodenrichtwerten (oder positiv ausgdrückt: günstigsten Baulandpreisen) liegen wie ein Riegel am unteren, südlichen Ende der Nordeifeler Karte und reichen von Kalterherberg über Alzen, Höfen, Widdau und Rohren bis zu den Rurtalorten Hammer, Dedenborn, Erkensruhr und Einruhr. Für das Geld, mit dem man hier ein 600- oder 800-Quadratmeter-Grundstück erwerben kann, bekommt man im Norden der Nordeifel – überspitzt ausgedrückt – gerade mal die Fläche für eine großzügige Doppelgarage…

Für alle hier aufgezeigten Wohnlagen aber gilt: Wer derzeit in der Nordeifel ein Baugrundstück sucht, wird in aller Regel auch fündig – unabhängig von der Wohnlage und dem entsprechenden Preis. Das Wohnen und Leben in der Natur und wohl auch in der besseren Luft führt dabei nicht zu einem Preisaufschlag. (hes)

Aachener Nachrichten 25.März.2019

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