Roetgen muss Kanäle sanieren

Abwasserbeseitigungskonzept unter Vorbehalt genehmigt. Private betroffen

Roetgen. Die Gemeinde Roetgen muss die Kanalisation sanieren. Das Landeswassergesetz verpflichtet alle Gemeinden dazu, ein Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) zu erstellen, das im Abstand von sechs Jahren fortgeschrieben werden muss. Das Konzept soll eine Übersicht über den Stand der öffentlichen Abwasserbeseitigung sowie über die zeitliche Abfolge und die geschätzten Kosten der erforderlichen Maßnahmen verschaffen.

Prioritätenliste gefordert

Das bereits erstellte ABK für die Jahre 2014 bis 2019 wurde von der Bezirksregierung nur unter Vorbehalt genehmigt, da bis dahin noch kein Fremdwassersanierungskonzept erstellt wurde. In den vergangenen Monaten wurden noch ausstehende Messungen vorgenommen und eine Prioritätenliste für die Fremdwassersanierung erstellt. Diese Prioritätenliste muss vom Gemeinderat ins ABK aufgenommen werden, andernfalls könnte die Folge sein, dass zum Beispiel beantragte Fördergelder nicht bewilligt werden beziehungsweise zurückerstattet werden müssen.

Von der Fremdwassersanierung dürften aber auch viele private Grundstückbesitzer betroffen sein. In der Vorlage, die den Mitgliedern des Betriebsausschusses für die Sitzung am vergangenen Dienstag vorgelegt wurde, heißt es, die Fremdwassersanierung umfasse nicht nur die Kanalisation im öffentlichen Bereich, sondern müsse „aufgrund der voraussichtlich unzähligen Drainageanschlüsse auch auf den Privatgrundstücken fortgesetzt werden“.

„Dichtigkeitsprüfung 2.0“

In der Sitzung erläuterte ein Vertreter des Ingenieurbüros GEHA die Fremdwasserproblematik genauer. Achim Mathée (UWG) hätte mit Blick auf die erstellte Prioritätenliste lieber absolute Zahlen als Prozentzahlen zur Bewertung gesehen. Er wies daraufhin, dass bei Regen deutlich mehr Wasser in das Abwassersystem gelange als es durch das Fremdwasser der Fall sei. Im Vergleich könne man beim Fremdwasseranteil von „Peanuts“ sprechen.

Für ihn handele es sich um eine „Dichtigkeitsprüfung 2.0“, die eigentlich abgeschafft sei und nun durch die Hintertür wieder eingeführt werde.

Ähnlich sah das auch Bernd Vogel (PRB). Der Vertreter des Ingenieurbüros GEHA erklärte, dass Regenereignisse beim Bau der Anlagen einkalkuliert seien, nicht aber das Fremdwasser.

Gudrun Meßing (Grüne) wollte wissen, ob es dann nicht sinnvoller und günstiger sei, eine neue Kläranlage mit größerer Kapazität zu bauen. Das ändere nichts an der Fremdwasserproblematik und den gesetzlichen Vorschriften, hieß es von Seite des Experten. „Dann ist das Gesetz eben Mist“, antwortete Meßing und regte an, das Ingenieurbüro die absoluten Zahlen liefern zu lassen und eine Entscheidung bis zur nächsten Ratssitzung zu vertagen.

Mario Walter Johnen (SPD) erklärte, das Gesetz müsse an anderer Stelle hinterfragt werden. Er regte an, die Prioritätenliste zu beschließen und anschließend nach Lösungen zu suchen. Helmut Mulortz (SPD) sagte, im Vorfeld müsse das „Sonderproblem“ Petergensfeld gelöst werden.

Entscheidung vertagt

Bürgermeister Jorma Klauss berichtete, dass man im Gespräch mit den belgischen Kollegen sei. Auf belgischer Seite sei mit Blick auf die Fremdwasserproblematik schon wesentlich mehr geschehen als in Roetgen. Größere Sorgen würden ihm bei Regenereignissen die hohen Abschlagungen von belgischer Seite zum Beispiel in den Grölisbach bereiten. Bei diesem Thema bleibe man aber auch weiter im Gespräch.

Peter Schneider (CDU) erinnerte schließlich daran, dass die Kanalisation in Roetgen schon seit über 30 Jahren immer wieder politisch diskutiert werde.

Am Ende beschlossen die Mitglieder des Betriebsausschusses, eine Entscheidung bis zur nächsten Ratssitzung zu vertagen.

Quelle: Eifeler Zeitung
Text; Andreas Gabbert

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