Roetgen als Naturparadies vermarktbar?

Quelle: Eifeler Nachrichten
Bericht: Andreas Gabbert, Foto: Peter Stollenwerk

Ein Stück des Westwalls am Vichtbach in Roetgen: Eine zentrale Rolle bei der touristischen Positionierung soll ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Westwall-Schleife– eine Fahrradtour durch Geschichte und Natur“ einnehmen.

Roetgen-Touristik stellt Konzept für die touristische Vermarktung des Ortes vor. Neuer Radweg soll zentrale Rolle einnehmen.

Roetgen. Lässt sich Roetgen touristisch als „Naturparadies – nah an der Stadt“ positionieren? Die Roetgen-Touristik e.V. meint ja und hat ein Konzept entwickelt, das vor kurzem von Bernhard Müller im Umwelt-, Touristik- und Forstausschuss der Gemeinde vorgestellt wurde, als es um die Zukunft des Tourismus und der Wanderstation in Roetgen ging.

In den vergangenen beiden Jahren sei ein Neustart der Roetgen-Touristik gelungen, erklärte Müller. Nun gelte es zu entscheiden, ob der Tourismus in Roetgen gefördert werden soll. Es gebe eine große Chance, die Gemeinde als „Naturparadies nah an der Stadt“ zu positionieren. Dies aber nur, wenn das Konzept aktiv vermarktet werde. „Man sieht Roetgen nämlich nicht gleich an, dass es so interessant ist“, sagte Müller.

Damit seien mehrere Fragen verbunden, und zwar: Soll die Verwaltung das selbst machen oder ehrenamtliches Engagement unterstützen, damit sich das Projekt langfristig selbst trägt? Und ist der Roetgen-Touristik e.V. der richtige Verein dafür? Müller betonte, dass die Voraussetzung für alle weiteren Überlegungen eine Beendigung des bestehenden Dienstleistervertrages sei.

Der Geschichte auf der Spur

Ziel müsse die Sicherstellung der Öffnung und Wartung der Wanderstation sein. Für die Roetgen-Touristik werde ein Büro benötigt, und es sei eine halbe Stelle für hauptberufliches Marketing zu schaffen, erklärte Müller. Es gehe darum, die Wanderstation als Infopunkt in Zusammenarbeit mit anderen Roetgener Vereinen und Dienstleistern zu einem „proaktiven Zentrum für touristische Aktivitäten in und rund um Roetgen“ zu entwickeln. Die Refinanzierung könne dann über Angebote in der Eventgastronomie erfolgen, sagte Müller.

Man sieht Roetgen nicht gleich an, dass es so interessant ist.

Bernhard Müller
Roetgen-Touristik

Da die Wanderstation aber mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde, sind einige rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. So darf die Wanderstation unter anderem tagsüber nur für Wanderer genutzt werden, und es werden Öffnungszeiten erwartet, die den Bedürfnissen von Wanderern gerecht werden.

Eine zentrale Rolle bei der touristischen Positionierung solle ein Projekt mit dem Namen „Westwall-Schleife – eine Fahrradtour durch Geschichte und Natur“ einnehmen, erläuterte Müller. Das Radwegeprojekt wurde vom Heimat- und Geschichtsverein Roetgen, von der Roetgen-Touristik, dem Heimat- und Eifelverein Rott sowie dem Bürgerverein Mulartshütte gemeinsam entwickelt. Der Radweg, der thematisch die geschichtlichen und landschaftlichen Besonderheiten des Ortes berührt, soll als neue touristische Attraktion und als wesentlicher Teil der internationalen „Liberation-Route-Europe“ zur Aufwertung der Gemeinde beitragen. Schließlich war Roetgen am 12. September 1944 die erste deutsche Gemeinde, die von den Amerikanern eingenommen wurde. Auch diesem historischen Datum soll der Radweg gerecht werden.

Die Wanderstation sei aber nicht auf den Fahrradtourismus ausgerichtet. „Vom Vennbahnradweg aus gesehen wirkt sie geradezu abweisend“, sagte Müller. Mit Blick auf die „Westwall-Schleife“ sei auch ein Dokumentationszentrum wünschenswert und eine Erweiterung der Station um rund 90 Quadratmeter nötig. Dann könne sie als attraktive Ausgangs- und Endstation für Radtouristen dienen.

Gedacht sei dabei auch an einen Vortragsraum, eine Dauerausstellungsfläche, eine interaktive Lernstation zur Erläuterung der Geschichte, eine E-Bike-Ladestation sowie Duschen und Toilettenanlagen.

Die Kosten dafür lägen bei rund 356 000 Euro, sagte Müller. Für den naturschutzgerechten Zugang zur einzigen Westwallbrücke in NRW sei mit weiteren rund 90 000 Euro zu rechnen. Für Infotafeln und Wegweiser würden rund 25 000 Euro fällig, insgesamt also rund 471 000 Euro, rechnete Müller vor.

Das Projekt soll im Rahmen des regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm NRW gefördert werden. Käme es dazu, müsste die Gemeinde Roetgen nur zehn Prozent der Gesamtkosten tragen.

Politiker reagieren mit Zustimmung und Kritik an dem Konzept

Von Politik und Verwaltung wurde der Vorschlag zunächst grundsätzlich begrüßt. Lukas Benner (Grüne) sprach von einer sinnvollen Entwicklung, die viele Chancen biete. Es wurden aber auch Bedenken geäußert, dass die Pläne im ersten Schritt möglicherweise zu weit gingen. Stephan Speitkamp (CDU) nannte die Entwicklung der Roetgen-Touristik einen Glücksfall. Er sah aber eine Gefahr darin, anderen Gastronomen vor den Kopf zu stoßen, da es hier eine Förderung mit öffentlichen Mitteln gebe. Silvia Bourceau (UWG) sagte, der Tourismus in Roetgen dürfe nicht nur auf diesem einen Projekt aufbauen. Außerdem sei dies im ersten Aufschlag zu viel. „Lassen Sie uns erstmal unseren Schatz freilegen“, forderte sie. Dr. Georg Dittmer (FDP) sah noch andere Probleme mit Blick auf den Tourismus in Roetgen. Zwar führten der Vennbahnradweg und der Eifelsteig durch Roetgen, aber die meisten Touristen blieben nicht da. Hier sei eine Anlaufstelle und Auskunftsmöglichkeit wünschenswert.

Kritik geübt wurde aber auch an dem Namen „Westwall-Schleife“ für den neuen Radweg. Mit dem Tod von Tausenden Menschen dürfe kein Geschäft gemacht werden, sagte Willi Axer (SPD) und fand dabei Unterstützung von Wolfgang Schruff (PRB), der sich von den vorgestellten Bauplänen zunächst erschlagen fühlte und vorschlug, das Projekt zunächst in kleinerer Form anlaufen zu lassen. Bürgermeister Jorma Klauss erklärte, dass es sich dabei nicht um eine Erfindung der Gemeinde oder der Roetgen-Touristik handele. Es handele sich um einen Arbeitstitel, den das Land NRW gewählt habe. Der Begriff „Roetgen-Schleife“ habe beim Land keine Zustimmung gefunden. Rainer Welzel (UWG) schlug den Namen „Befreiungs-Schleife“ vor. Auch die Kosten müssten im Blick behalten werden. Schließlich würde das Geld später an anderer Stelle fehlen, etwa für den Erhalt des Saals Hütten in Rott. Christa Heners (Grüne) hatte hingegen den Eindruck, dass die Idee in der politischen Diskussion zerfleischt werde. „Wenn wir das ernst meinen, müssen wir investieren. So funktioniert Wirtschaftsförderung“, sagte sie. Wenn man eine Förderung in Anspruch nehmen wolle, müsse jetzt gehandelt werden.

Die Ausschussmitglieder beschlossen einstimmig, die rechtlichen Bedingungen prüfen zu lassen. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, die Erweiterung der Wanderstation mit in den Förderantrag aufzunehmen. Dies wurde mit vier Gegenstimmen der UWG und der FDP beschlossen.

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