Resolution zu den geplanten zwei Hochwasserrückhaltebecken auf Roetgener Gemeindegebiet im Verlauf des Vichtbachs

Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

im Rat der Gemeinde Roetgen

Pressemittteilung

Sehr geehrter Herr Gabbert,

laut Informationen des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) u. a. zuständig für die Fließgewässer in der Städteregion Aachen, reichen die derzeitigen Schutzmaßnahmen für die Stadt Stolberg gegen Hochwasserschäden nicht mal für ein 20-jährliches Hochwasser aus. (20-jährliches Hochwasser ist ein Ereignis , dass statistisch einmal in 20 Jahren eintritt)

Bei einem 50-jährlichen Hochwasser prognostiziert der WVER Schäden in Höhe von 13,4 Millionen Euro (Stand 2008). Bei einem Jahrhunderthochwasser rechnet der WVER gar mit Schäden in Höhe von fast 50 Millionen Euro.

Der Bedarf für einen Regenwasserrückhalt bei Starkregenereignissen ist somit objektiv gegeben.

Der WVER plant nunmehr, im Oberlauf des Vichtbachs auf dem Gebiet der Gemeinde Roetgen zwei Hochwasserrückhaltebecken zu bauen.

Die uns derzeit bekannten Planungsüberlegungen:

  1. Ein Rückhaltebecken in Rott mit einem Speichervolumen von 880.000 m³. Das sind
    rd. 80.000 m³ mehr als der Stauraum der Perlenbachtalsperre. Dafür wird ein Damm mit einer Höhe von mindestens 15 m und 170 – 200 m Länge am Ortsausgang von Rott in Richtung Mulartshütte benötigt. Damit wäre er zwar rd. 3 m kleiner als der Damm der Perlenbachtalsperre aber genauso lang. Bei Vollfüllung reicht der Rückstau bis nach Rotterdell.
  2. Ein Rückhaltebecken unterhalb von Mulartshütte. Von diesem Becken kennen wir bisher nur die geplante Größe (440.000 m³), und dass das Freizeitgelände Auenland aufgegeben werden muss. Zur Dammhöhe, -länge und genauer Lage gab es bisher keine Angaben
  3. Das Planfeststellungsverfahren für diese Baumaßnahmen soll wahrscheinlich im Sommer 2019 eingeleitet werden.

Zweimal war der EWV bisher im Roetgner Bauaausschuss, um den Rat mit den o. g. Planungen zu konfrontieren. Beide Male wurde seitens des Ausschusses deutlich gemacht:

  1. Der Bauausschuss akzeptiert die Notwendigkeit, im Einzugsgebiet des Vichtbachs Hochwasseschutzmaßnahmen zu ergeifen.
  2. Der Bauausschuss empfindet den Bau von 2 Becken in der geplanten Größenordnung auf Roetgener Gebiet als einen überaus gravierenden Eingriff in das dort bisher weitgehend unberührte Vichtbachtal und erwartet, dass Überlegungen zur Reduzierung der Beckenvolumina angestellt werden.
  3. Der Bauausschuss bat beide Male um Prüfung, ob es nicht möglich wäre, zumindest Teile des notwendigen Rückhaltevolumens im Bereich der Dreilägerbachtalsperre zu realisieren. Weiterhin sollte geprüft werden, ob nicht das Wasser, aus dem Wesereinzugsgebit, das bisher über den Weserstollen in den Vichtbach eingeleitet wird, im Wesereinzugsgebiet zu belassen und somit den Vichtbach zu entlasten. Es wäre auch zu prüfen, Teile des erforderlichen Speichervolumens zwischen Mulartshütte und Stolberg zu bauen.

Alle Prüfvorschläge wurden jeweils relativ lapidar zurückgewesen.

Der WAG als Betreiber der Trinkwasseraufbereitung reicht es zu erklären, dass Trinkwassrschutz sich nicht mit Hochwasserschutz verträgt. Der EWV begnügt sich mit dieser Aussage und sieht darüber hinaus keine Möglichkeit, sich gegen die WAG durchzusetzen.

Dabei werden Trinkwasserschutz und Hochwasserschutz z. B. an der Wehebachtalsperre und an der Wesertalsperre offenbar problemlos praktiziert.

Bzgl. des Wesereinzugsgebiets reicht dem WVER der Hinweis der Betreiber der Wesertalspere, dass dann ja deren Wassermanagement geändert werden müsse, um sich auch mit dieser Möglichkeit nicht mehr auseinandersetzen zu müssen bzw. zu wollen.

In Anbetracht der gepanten enormen Becken in Rott und Mulartshütte will die SPD Roetgen diese Haltung nicht akzeptieren.

Da der WVER sich offensichtlich nicht mit der WAG und dem Betreiber der Wesertalsperre auseinandersetzen will und offensichtlich akzeptiert, dass beide ihren Status-Quo nicht infrage stellen lassen wollen, sieht die SPD keine andere Möglichkeit mehr, als übergeordnete politische Gremien einzuschalten. Denn auf der Ebene der zuständigen Körperschaften WVER, WAG etc. sowie auf der kommunalpolitischen ebene kommen wir nicht mehr weiter.

Deshalb hat die SPD eine Resolution an die für Hochwasserschutz zuständige Umweltministerin Frau Heinen-Esser entworfen, die in der Ratssitzung am 02.07.2019 beraten und verabschiedet werden soll.

Ziel ist es, dass das Ministerium und die zuständigen Politiker auf der ebene der bezirksregierung und der Städteregion ihren Einfluss geltend machen, um um WAG, WVER etc. zu einem konstruktiven Umgang mit dem Problem der gigantischen Becken auf Roetgener Gebiet zu bewegen. Damit der Bau von zwei derart großen Speicherbecken auf Roetgener Gemeindegebiet evtl. doch noch zugunsten eines deutlich geringeren Volumens verhindert werden kann.

Mit freundlichem Gruß

(Klaus Jörg Onasch)

(Fraktionsvorsitzender)

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