Nur noch begrenzt Bauland verfügbar

Die Gemeinde Roetgen ist als Wohnsiedlungsbereich stark nachgefragt, aber nur noch ein Erschließungsgebiet ist vorhanden

Roetgen wächst. Seit Jahrzehnten bereits drängen die Bauwilligen, die der Stadt Aachen entfliehen, aber sie andererseits doch in greifbarer Nähe wissen möchten, in die Eifelgemeinde, die die Annehmlichkeiten des ländlichen Lebens mit den Vorzügen der relativen Stadtnähe verknüpft.

In dieser Situation kommt der Roetgener Bauland GmbH eine besondere Bedeutung zu. Das kommunale Gremium wurde vor rund 20 Jahren gegründet, um die Entwicklung von Baugebieten zu begleiten und mit eigenem kommunalen Engagement Einfluss auf die bauliche Entwicklung zu nehmen.

Abschied für Franz Jansen

„Diese Strategie ist aufgegangen“, stellte am Freitag Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss bei der turnusmäßigen Gesellschafterversammlung der Roetgener Bauland GmbH im Rathaus fest. Dass der Schritt zur Gründung der Bauland GmbH Mitte der 1990er Jahre ein Erfolgsweg wurde, wertete Klauss auch als ein Verdienst von Franz Jansen, Gründungsmitglied und Geschäftsführer der Gesellschaft. Jansen (65) ist auch Geschäftsführer der S-immo, der Immobiliensparte der Sparkasse. Ende des Jahres 2017 geht er nun in den Ruhestand, was für das Roetgener Gremium Anlass war, auf gemeinsam Erreichtes zurückzublicken.

Franz Jansen ist der Kommune in besonderen Maße verbunden, da er von 1978 bis 1992, davon viele Jahre als Leiter, in der Roetgener Sparkassenfiliale beschäftigt war und somit bereits bestens vertraut mit dem Roetgener Grundstücksmarkt war. Kollegialität, Überparteilichkeit und sachbezogenes Handeln in der Bauland GmbH seien gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gewesen, sagte Jansen anlässlich der spontan auf die Tagesordnung gesetzten kleinen Abschiedsfeier.

Fünf große Erschließungsprojekte (Im Dorf, Wiedevenn, Greppstraße, Wiesenstraße und Hahnbruch) fielen in seine Zeit als Geschäftsführer. Rund 250 neue Wohneinheiten entstanden, die für die Gemeinde kontinuierlichen Bevölkerungszuwachs bedeuteten. Manchmal habe es großer Überzeugungskraft bedurft, aber unter dem Strich habe die Bauland GmbH bei allen Projekten Gewinne erzielt, die sich auch in der Gemeindekasse bemerkbar gemacht hätten, bilanzierte Jansen.

Die Grundstücksnachfrage in Roetgen ist ungebrochen, doch das noch verfügbare Angebot kann der aktuellen Marktlage nicht gerecht werden. Nach der Erschließung des Baugebietes „Grepp 2“ ist in Roetgen Schluss mit Großprojekten. Noch ist im neuen Baugebiet kein Grundstück definiert, aber es gibt bereits eine lange Liste von Interessenten.

„Die Kapazitäten sind begrenzt“, verweist Jorma Klauss darauf, dass das Gemeindegebiet „bis auf die drei Lichtungen Roetgen, Rott und Mulartshütte aus Wald besteht“. Dann blieben nur noch die zahlreichen Baulücken, die in der Regel aber nicht dem freien Markt zur Verfügung stehen würden.

Für die Belebung des Grundstücksmarktes sei die aktuelle Niedrigzinsphase verantwortlich, sagt Franz Jansen, der schätzt, dass diese Phase auch noch für mindestens fünf weitere Jahre Bestand hat.

Urbanes Wohnen rund um die Oberzentren zu erschwinglichen Grundstückspreisen sei stark gefragt, und das spüre man auch in Roetgen. Von der enger werdenden Marktsituation in Roetgen, so die Beobachtung von Franz Jansen, „profitieren dann wiederum weitere Baugebiete im Umfeld wie in Lammersdorf, Konzen oder Imgenbroich“.

Bernhard Müller, der als Vertreter des Gemeinderates der Roetgener Bauland GmbH angehört, sieht die Gemeinde derzeit „in einer Umbruchphase“. Insbesondere gestalterische Fragen würden in Roetgen kontrovers diskutiert. Wichtig für eine positive Weiterentwicklung des Ortes sei daher der behutsame Umgang mit vorhandener und neuer Baukultur, „um den Charakter Roetgens zu bewahren“.

Als neuer Geschäftsführer der Roetgener Bauland GmbH wurde im Zuge der Gesellschafterversammlung Dietmar Röhrig bestellt.

Quelle: Foto und Text: P. Stollenwerk

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