Neue Ideen für Roetgens Wanderstation

Quelle: Eifeler Zeitung
Bericht und Foto: Heiner Schepp

Der touristische Infopunkt in Roetgen, die Wanderstation und die angegliederte „Wanderbar“, ein kleines Café, sollen unter neuer Führung schon möglichst bald wieder ihren Betrieb aufnehmen. Zuvor steht jedoch eine juristische Prüfung der Verträge an.

Roetgener Hauptausschuss empfiehlt Abschluss eines neuen Miet- und Dienstleistungsvertrags für touristischen Anlaufpunkt

Roetgen. In diesen frühen Märztagen ist es noch ruhig an der Wanderstation in Roetgen, dem touristischen Anlauf- und Infopunkt am „Tor zur Eifel“. Doch die Wanderer und Radfahrer sitzen schon in den Startlöchern und wollen mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne zahlreich auch in Roetgen die Natur erleben. Als Ankunfts- und Ausgangspunkt hat sich dafür in Roetgen die günstig gelegene Wanderstation am Pferdeweiher etabliert. Der Touristen-Infopunkt und die Wanderstation jedoch liefen in der vergangenen Saison nicht so, wie man sich dies bei der Roetgen-Touristik vorgestellt und wohl auch nicht so, wie der bisherige Betreiber es sich erhofft hatte.

Vertrag bis Ende April 2020

Deshalb wurde der Pächter bei der Verwaltung vorstellig und bat darum, die bestehenden und eigentlich noch bis Ende April 2020 laufenden Vertragsverhältnisse mit der Gemeinde Roetgen zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen. Der Betreiber kam damit gleichsam auch der Roetgen-Touristik zuvor. Deren Vorstandsmitglied Bernhard Müller hatte kürzlich bei der Vorstellung eines touristischen Konzepts für Roetgen betont, „dass die Voraussetzung für alle weiteren Überlegungen eine Beendigung des bestehenden Dienstleistervertrages“ sei. Ziel für die Zukunft müsse „die Sicherstellung der Öffnung und Wartung der Wanderstation“ sein. Es gehe darum, die Wanderstation als Infopunkt in Zusammenarbeit mit anderen Roetgener Vereinen und Dienstleistern zu einem „proaktiven Zentrum für touristische Aktivitäten in und rund um Roetgen“ zu entwickeln, so Müllers Vision. Die Refinanzierung könne dann über Angebote in der Eventgastronomie erfolgen, so der Vorstandsvertreter, der auch für die Grünen im Gemeinderat sitzt.

Der bisherige Betreiber der Station, deren Gastronomie den schönen Namen „Wanderbar“ erhielt, hatte der Gemeinde bei seinem Kündigungsersuchen bereits eine potenzielle Nachmieterin und Betreiberin der Wanderstation und des Infopunktes vorgestellt, die sich nun im Roetgener Hauptausschuss vorstellte.

Und backen Sie nur ja guten Kuchen!

Peter Schneider (CDU)
an die künftigen Betreiberinnen der Roetgener Wanderstation

Die angekündigte „Konzeptvorstellung“ jedoch gab es etwas ausführlicher nur in der Sitzungsvorlage, nicht aber im Ausschuss. „Wir möchten ein Startpunkt für Wanderer und Radfahrer werden und mit den Gästen vor Ort individuell ihre Routen planen“, meinten Christiane Knein und ihre Schwester Esther Furcht, die von einer ähnlichen Tätigkeit und Erfahrung in den Wanderstationen im belgischen Eupen berichtete. Außerdem, so die potenziellen Betreiberinnen, wolle man ein attraktives gastronomisches Angebot unterbreiten, „mit Baguettes, Eintopf, kalten und warmen Getränken und selbst gebackenem Kuchen“, so Esther Furcht, die auch in Eupen wohnt und nach eigener Aussage „Roetgen bisher nur wegen der Sauna besucht“ hat.

Die mündlichen Ausführungen der beiden Frauen aber waren dem Hauptausschuss hörbar zu dünn, ihm fehle „ein vernünftiges Konzept der Gastronomie. Wie wollen Sie denn die Kundschaft dort hinbekommen? Schließlich wollen Sie ja auch Geld verdienen“, meinte Heinz-Peter Straeten (SPD). Auch Anita Buchsteiner erkannte „kein Konzept für die Gastronomie“. Ob denn bei den Wander- und Radtouren an einen Partner gedacht sei, wollte die PRB-Sprecherin wissen, doch Esther Furcht sprach lediglich von „guten Kontakten“ und der Unterstützung durch die Roetgen-Touristik, auf die man setze.

Auf Günter Severains (fraktionslos) Frage, wie es denn um einen Wirtschaftsplan stehe und wie man sich die durchaus stattlichen Startinvestitionen zurückzuholen gedenke, erwiderte Bürgermeister Jorma Klauss: „Wir haben hier nur über den Dienstleistungs- und Mietvertrag zu befinden, nicht aber über das finanzielle Risiko des Pächters“, meinte er.

Auch Helmut Mulorz hatte Sorge, ob das Projekt sich betriebswirtschaftlich für die Bewerberinnen lohnen werde, „aber Freiheit beinhaltet immer auch die Freiheit zu scheitern“, unkte der SPD-Abgeordnete. Patrick Jansen sah die Gemeinde „auch in einer gewissen Fürsorgepflicht für den Vertragspartner“. Jansen sprach von einer „beachtlichen Blauäugigkeit“ der potenziellen Betreiberinnen, regte aber dennoch an, ihnen im Falle eines Vertragsabschlusses ein Vorpachtrecht über den 30. April 2020 hinaus einzuräumen. „Nur so können die Damen vernünftig planen“, so der UWG-Vertreter. Seine UWG-Kollegin Silvia Bourceau freute sich, dass der Name „Wanderbar“ wohl erhalten bleibe, und stellte mit Blick auf die andere Straßenseite fest: „Dass Gastronomie hier funktionieren kann, sieht man ja an der ‚Kaffeefee‘ gegenüber“.

Dies wiederum sah Peter Schneider (CDU) etwas anders. Erst kürzlich habe er sich geärgert, beim Sonntagsspaziergang sowohl die „Wanderbar“, wie auch die „Kaffeefee“ zu einer Premiumzeit, nämlich sonntagnachmittags, verschlossen vorgefunden zu haben. Ob sich das denn unter neuer Führung ändere und was überhaupt die Roetgener selbst von der Wanderstation erwarten dürften, wollte Schneider wissen. Bürgermeister Klauss gestand dem bisherigen wie den künftigen Pächtern „gewisse Schließzeiten in weniger besucherintensiven Saisonzeiten“ zu. „Und die sind nunmal jetzt“, so der Bürgermeister. Anita Buchsteiner riet, dass auch eine klare Urlaubsregelung Bestandteil eines neuen Vertrages sein müsse; eine juristische Vorabprüfung des bisherigen Betreibervertrages habe „generell ein vernichtendes Ergebnis“ gezeigt, meinte Buchsteiner.

Ehe es nach einer Sitzungsunterbrechung in die Abstimmung ging, stellte Silvia Bourceau nochmals fest: „Das ist uns alles zu vage, und wir haben Bauchschmerzen dabei, Sie sehenden Auges in eine Katastrophe laufen zu lassen“, wandte sich die UWG-Sprecherin an die beiden Bewerberinnen.

Einstimmiger Beschluss

Bei der Abstimmung enthielten sich die Unabhängigen schließlich, eine Gegenstimme jedoch gab es nicht im Hauptausschuss. Die endgültige Entscheidung aber soll nun nach einer externen juristischen Prüfung des Vertrages schnellstmöglich in eine der nächsten geeigneten Sitzungen oder notfalls in einer Sondersitzung gefällt werden. Schließlich stehen die Erholung suchenden Gäste schon vor dem „Tor zur Eifel“ und müssen die Betreiberinnen die ersten Erträge erwirtschaften.

Jorma Klauss gratulierte vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung zur neuen Aufgabe und wünschte „eine gute Zusammenarbeit“. Und Peter Schneider hob mahnend den Zeigefinger: „Und backen Sie nur ja guten Kuchen…!“

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