Mit den neuen Nachbarn im Gespräch

Neubau: Mit der Erweiterung (li.) werden im Seniorenzentraum Jennepeterstraße 80 Pflegeplätze zur Verfügung stehen. Bei der Anliegerversammlung wurden offene Fragen geklärt.

Erweiterung des Seniorenzentrums in der Roetgener Jennepeterstraße: Bürger und Bauherr suchen nach gemeinsamer Lösungen im Dialog.

Roetgen. Miteinander statt übereinander zu reden: Diese Chance eröffnet sich jetzt auch beim geplanten Erweiterungsbau des Seniorenzentrums an der Roetgener Jennepeterstraße. Die gute Gesprächs-Atmosphäre zwischen den Nachbarn des neuen Projektes und dem Bauherrn ist ein neuer Aspekt bei der bislang kontrovers diskutierten Diskussion.

Die Dialogbereitschaft wurde auch öffentlich erkennbar, als die Gemeindeverwaltung Roetgen am Montagabend zu einer Anliegerversammlung eingeladen hatte. Im Zuge der „frühzeitigen Beteiligung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 11“ erläuterten die am Planungsprozess beteiligten Kräfte ihre Absichten, und die rund 40 im Ratssaal erschienenen Bürger sorgten für ein reges Frage- und Antwortspiel, bei dem es stets fair und sachlich zuging.

Besonders bemerkenswert war in diesem Zusammenhang die Schlussbemerkung eines vom neuen Bauvorhaben besonders stark betroffenen Anwohners: „Wir brauchen solche Seniorenheime. Das ist sinnvoll und erstrebenswert für einen Ort, auch wenn mein Grundstück dadurch erheblich an Wert verliert.“

Erstrebenswert ist auch für die Itertalklinik als Bauherr der Erweiterungsbau, da das zweite Haus an der Bundesstraße in Roetgen (40 Pflegeplätze) nicht mehr die geforderten Voraussetzungen für die Altenpflege erfüllt und daher aufgegeben werden soll.

Geplant ist nun am neuen Standort ein Erweiterungsanbau. Im Alt- und Neubau sollen dann 80 Pflegeplätze zur Verfügung stehen. Neu errichtet werden dann rechts und links zwei separate Gebäudekomplexe für betreutes Wohnen, die als Mietobjekte angeboten werden. Das Gebäude zum Wiedevenn hin wird zweigeschossig und bietet 13 Wohneinheiten, das Gebäude zum Sportplatz hin wird dreigeschossig (26 Wohneinheiten). Außerdem werden auf dem Grundstück 56 Stellplätze errichtet.

So sieht die aktuelle und reduzierte Planung nach drei heftigen Diskussionsrunden im Roetgener Bauausschuss aus. Gegen die Ursprungsplanung und die darin vorgesehenen wuchtigen Baukörper waren die Nachbarn Sturm gelaufen.

Nun scheint man sich mit den neuen Nachbarn arrangieren zu wollen, wenngleich in Details noch reichlich Klärungsbedarf besteht. Zu Beginn der Anliegerversammlung hatte Bürgermeister Jorma Klauss deutlich gemacht, dass man sich erst in der Einleitungsphase der Planung befinde. „Es ist noch nichts beschlossen.“

„Ein Seniorenheim ist sinnvoll und erstrebenswert für Roetgen, auch wenn mein Grundstück dadurch an Wert verliert.“

Ein Anwohner der Jennepeterstraße

Ein kritischer Punkt ist nach wie vor die Nähe eines Baukörpers zum Wohngebiet Wiedevenn. Hier haben sich in den zurückliegenden Jahren viele neue Bürger angesiedelt, die nun negative Auswirkungen und zusätzlichen Verkehr befürchten. Mögliche Einschränkungen oder neue Auflagen befürchtet auch der TV Roetgen, dessen Sportplatz an das neue Sondergebiet grenzt. Fragen nach dem Lärmschutz brannten den Anliegern ebenfalls auf den Nägeln, und auch über die Abwicklung des Baustellenverkehrs wollte man Genaueres wissen. Kritik wurde auch an der Außensicht der Gebäude laut. „Dem Baukörpern fehlt jeder Bezug zum dörflichen Charakter Roetgens“, meinte einer der Anwohner.

Auf die meisten Fragen konnte Dr. Christoph M. Kösters, der geschäftsführender Gesellschafter der Itertalklinik, erschöpfende Antworten geben. Die Zufahrt zum Gebäude soll allein über die Jennepeterstraße erfolgen. Gerne griff er auch eine weitere Anregung auf, den Verkehr möglicherweise in Richtung Feuerwehr-Parkplatz abfließen zu lassen und damit eine zweite Zufahrt zu schaffen. Das Wiedevenn soll auch vom Baustellenverkehr nicht berührt werden. Sowohl ein Schallschutz- wie auch ein Brandschutzgutachten sei im Bebauungsplan gefordert, und auch dem TV Roetgen konnte Kösters die Sorgen nehmen: „Unsere Bewohner freuen sich, wenn Leben auf dem Sportplatz herrscht.“ Einem Wunsch der Anwohner, dass Anlieferungen erst nach sechs Uhr morgens erfolgen sollen, wurde bereits Rechnung getragen.

Zur Gestaltung des Baukörpers konnte Roetgens Bauamtsleiter Dirk Meyer die kritische Betrachtung nachvollziehen: „Der Bau ist weit weg vom Optimum. Das sollte man nicht schönreden, aber es handelt sich eben um einen Zweckbau.“

Schließlich konnten auch die Sorgen der Roetgener Schützenbruderschaft relativiert werden, deren Schützenwiese an das Seniorenzentrum grenzt. Der Verein hatte bereits Befürchtungen, dass der jährliche Vogelschuss in die Verbotszone falle. Im Zusammenhang mit der erwähnten möglichen zweiten Zufahrt, die auch am Schützenheim vorbeiführen würde, stellte Kösters aber eine verträgliche Lösung in Aussicht.

Weitere Anregungen und Bedenken können noch bis kommenden Freitag zu Papier gebracht werden. Bei der Roetgener Verwaltung liegen entsprechende Vordrucke bereit.

Quelle: Eifeler Zeitung
Text: Peter Stollenwerk, Foto: BKI Aachen/Stollenwerk

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