Mit Absperrbügeln Unfälle verhindern?

Die Gemeinde Roetgen soll prüfen, wie die Verkehrssicherheit auf dem Vennbahnradweg verbessert werden kann.

Kein Zweifel herrschte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Roetgen daran, dass die Verkehrssicherheit auf dem Vennbahnradweg verbessert werden muss. Unklar blieb, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

Nach einem schweren Unfall am 29. April auf dem Vennbahnradweg in Roetgen wurde das Thema bereits im Bauausschuss angeschnitten. Einen Tag nach der Sitzung gab es dann den nächsten schweren Unfall an der Kreuzung des Radweges mit der Neustraße. Dort war ein aus Richtung Lammersdorf kommender Rennradfahrer mit einem Pkw zusammengestoßen, der die Neustraße hoch in Richtung Grünepleistraße fuhr.

Daraufhin hatte die SPD beantragt, prüfen zu lassen, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Gefahrensituation an den Kreuzungsbereichen zwischen Vennbahnradweg und Gemeindestraßen zu entschärfen. Die SPD wollte außerdem geprüft wissen, ob an allen Kreuzungen Absperrbügel installiert werden können und welche Kosten dadurch entstehen würden.

Kreuzungen schlecht einsehbar

Der Roetgener CDU-Ratsvertreter Ronald Borning, der auch Mitglied des Tourismusausschusses der Städteregion Aachen ist, hatte das Thema zuvor schon an die Behörde herangetragen, die auf deutscher Seite für den grenzüberschreitenden Radweg zuständig ist. Inzwischen hat der Tourismusausschuss die Städteregion mit der Prüfung des Sachverhaltes beauftragt, und in der 32. Kalenderwoche soll es einen Termin mit allen beteiligten Behörden geben. Der Vennbahnweg befindet sich auf belgischem Hoheitsgebiet.

„Als Gemeinde Roetgen sind wir dabei eher das kleine Rad am Wagen“, sagte Dirk Recker, der Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Roetgen in der Diskussion über den SPD-Antrag in der Sitzung des Bauausschusses. Er wolle bei dem geplanten Termin gerne mit einem Beschluss des Ausschusses „ins Rennen gehen“, erklärte Recker. Entscheidend sei letztlich die Position der Städteregion und der belgischen Behörden. „Wir können mitdiskutieren, aber nicht entscheiden“, erklärte Recker.

Die SPD hatte in ihrem Antrag eine Reihe von Gründen aufgezählt, warum sich die derzeitige Kreuzungsregelung aus ihrer Sicht nicht bewährt habe. So war zu lesen, dass der Radweg im Gemeindegebiet bis zu drei Prozent Gefälle aufweise, was die Radfahrer auf der Talfahrt zu einer schnellen Fahrweise veranlasse. Hinzu komme, dass die Kreuzungsbereiche auch für Autofahrer teilweise nicht gut einsehbar seien. Außerdem seien die Kreuzungsbereiche für schnell fahrende Radfahrer und insbesondere für vorausfahrende Kinder „nicht so einfach zu erkennen“. Generell sei es für Radfahrer irritierend, wenn es einerseits Kreuzungen gebe, an denen sie Vorfahrt hätten und andererseits Kreuzungen, an denen dies nicht der Fall sei. Zur Verbesserung der Situation hatte die SPD vorgeschlagen, jede Kreuzung mit zwei versetzten Absperrbügeln auszustatten, die die Radfahrer zu einem langsamen Umfahren dieser Bügel zwingen würden. Dank einer leuchtenden farblichen Gestaltung seien sie schon aus der Ferne sehr gut erkennbar. Außerdem würden sie nebenbei eine missbräuchliche Nutzung des Radweges durch Auto- oder Quadfahrer unterbinden. Der Straßenverkehr erhalte dann an allen Kreuzungen Vorfahrt. „Die bisherige Praxis der weitgehenden Vorfahrt für Radwegnutzer mag als grundsätzliche Stärkung des Radverkehrs angesehen werden, aber es nützt dem Radfahrer bei einem Unfall jedoch wenig, wenn er zwar im Recht ist, aber möglicherweise schwere Verletzungen oder Schlimmeres erleidet, weil die Umstände an der Kreuzung schlichtweg zu unfallträchtig sind“, hieß es im Antrag der SPD.

Mit diesem Antrag habe man offensichtlich in ein Wespennest gestochen, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Onasch in der Sitzung des Bauausschusses und zeigte sich verwundert über die Reaktion des ADFC (siehe Box). Man habe bewusst keine Lösung vorgegeben und sei durchaus offen für andere Vorschläge. Es gehe nicht darum, Radfahrer einzubremsen, sondern sie zu schützen, sagte Onasch.

„Rechtslage prüfen“

„Egal ob der Fahrradfahrer Recht oder Unrecht hat, bei einer Kollision verliert er“, sagte Bernd Vogel (PRB). Er sehe aber auch die Gefahr, dass Kinder durch Absperrungen noch schlechter für die Autofahrer zu erkennen wären. Da sich der Radweg auf belgischem Gebiet befinde, müsse die dortige Rechtslage geprüft werden. Außerdem regte er an, Verkehrsspiegel für eine bessere Sicht aufzustellen.

„Man kann nicht so schnell gucken, wie mancher Radfahrer angeflogen kommt“, sagte Wolfgang Schruff (PRB) und erklärte, man werde dem Antrag folgen. Rainer Welzel (UWG) sah ebenfalls Handlungsbedarf und sprach sich für den Antrag aus. Es gelte aber auch zu überlegen, ob die Sicht an den Kreuzungen verbessert werden könne.

Bernhard Müller (Grüne) sagte, seine Fraktion werde einer Prüfung zustimmen, nicht aber den Absperrgittern. Er verwies auf die Position des ADFC und erklärte, dass die Bügel vor Jahren wegen der Unfallgefahr abgebaut worden seien, außerdem sei mit Tandems, Lastenrädern oder Rädern mit Kinderanhängern keine Durchfahrt möglich. Die Ravelroute sei einer der besten Radwege mit einem hohen Renommee. Barrieren würden von den Fahrradverbänden als Minuspunkte gewertet. „Statt die Fahrradfahrer einzuschränken, sollte man eher daran denken, wie man die Autofahrer bremst“, sagte Müller. Einen Lösungsvorschlag habe er nicht, diese Frage sollten Fachleute beantworten.

Dr. Georg Dittmer (FDP) erklärte, als Radfahrer habe man sich anzupassen und werde gezwungen, moderat zu fahren. Er plädierte dafür, den Autofahrern die Vorfahrt zu geben. Absperrbügel wolle er aber nicht sehen.

Der parteilose Günther Severain sagte, dass die Gefahrensituationen entstünden, „weil beide Seiten nicht aufeinander aufpassen“. In den Köpfen habe sich festgesetzt, dass Radfahrer an vielen Kreuzungen Vorfahrt hätten, dem sei aber nicht so (siehe Box).

Wie auf Gefahren hinweisen?

Michael Wynands (CDU) sprach sich gegen Absperrgitter aus, während Patrick Jansen (UWG) erklärte, dass es an den Gefahrenstellen fast nicht möglich sei, auf die Radfahrer aufzupassen. Es gelte hier auch die Autofahrer zu schützen, die bei einem Unfall mit einem Radfahrer nahezu immer schuld seien.

Leonie Keulen (UWG) merkte an, dass die Schilder und Markierungen für die Autofahrer mit Blick auf die verkehrsrechtliche Situation zusätzlich zur Verwirrung beitragen würden. Michael Buschmann (Grüne) sagte, dies müsse eindeutig geklärt werden. Auch er sei bislang anderer Auffassung gewesen, die Hinweise und Schilder würden dies aber auch suggerieren. Er regte an, mit den belgischen Behörden zu sprechen, wie auf die Gefahren hingewiesen werden könne.

Der Prüfung, welche Maßnahmen ergriffen werden können, stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig zu. Der Prüfung, ob an allen Kreuzungen Absperrbügel installiert werden können, wurde mehrheitlich zugestimmt.

ADFC lehnt „Schikanen“ ab

Rechtliche Regelung an den Kreuzungen

In einer Pressemitteilung spricht sich der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) vehement gegen „Schikanen auf der Vennbahn in Roetgen“ aus. Umlaufsperren lehne der ADFC entschieden ab, heißt es in der Mitteilung. An diesen sei ein Begegnen mit dem Gegenverkehr nicht möglich. Außerdem seien Unfälle an den Umlaufsperren zu befürchten, wenn Radfahrer mit den Pedalen oder dem Lenker daran hängen blieben. Mit einigen Fahrrädern (Tandems, Lastenräder, oder Rädern mit Kinderanhängern) sei überhaupt keine Durchfahrt mehr möglich. Die Radfahrer müssten im Falle einer Umsetzung der Maßnahme im Ortsgebiet Roetgen dann insgesamt 13 Mal ab- und wieder aufsteigen. „Drei Jahre, nachdem die Poller endlich entfernt wurden, möchte die Roetgener SPD neue Gefahren auf der Vennbahn schaffen. Dabei hat sie das eigentliche Problem, nämlich die teilweise schlecht einsehbaren Kreuzungen, in ihrem Antrag selbst erwähnt. Dieses Problem würde durch die Umlaufsperren nicht gelöst“, wird Marvin Krings vom Arbeitskreis Radverkehrsplanung des ADFC Aachen zitiert.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte in der Sitzung des Bauausschusses eine Auskunft, wonach die Radfahrer an den strittigen Stellen keine Vorfahrt hätten, weil der Radweg vor jeder Kreuzung ende und erst dahinter wieder beginne. Dem sei nicht so, stellt die Städteregion auf Anfrage klar. Hier würden belgisches und deutsches Recht aufeinandertreffen. Nach belgischem Recht müsse vor jeder Kreuzung ein Ende des Radweges ausgeschildert sein. Sollte das nicht der Fall sein, würde es sich an dieser Stelle um einen reinen Radweg handeln, der nicht von Autos überquert werden darf. Zum Thema Vorfahrt gebe es auf belgischen Radwegen keine Regelung, sagt die Städteregion. Daher habe man auf deutscher Seite entsprechende Regeln für den Autoverkehr getroffen. Für die Autofahrer sei die Rechtslage damit klar.

„Wir können mitdiskutieren, aber nicht entscheiden.“

Dirk Recker,
Leiter des Ordnungsamtes
der Gemeinde Roetgen

Quelle: Foto und Text: A. Gabbert

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