„Mit Ablehnung nicht die Zukunft in Roetgen verbauen“

Quelle: Eifeler Zeitung
Bericht und Foto: Heiner Schepp

Der Bereich der Segel soll nach Meinung vieler Bürger für Naherholung erhalten bleiben.

Kontroverse Debatte zur Entwicklung : SPD fordert mehr Bauland, vor allem die Grünen sehen Entwicklung auch ohne Neuausweisung

Roetgen. „Wir brauchen die Grünflächen am Ortsrand als Naherholungsbereich, als Rückzugsmöglichkeit und für unsere Lebensqualität in Roetgen“, begründete Wolfgang Schruff zu Beginn der neuerlichen Debatte um die Entwicklung der Gemeinde Roetgen (siehe diesen Beitrag) den Antrag seiner Fraktion. Die PRB hatte darin mindestens eine Erhaltung, wenn nicht gar eine Ausweitung der 2003 ausgewiesenen Flächen für Land- und Forstwirtschaft sowie Naherholung gefordert.

UWG: Entwicklung ja, aber …

„Wir sind in einer Schwarz-Weiß-Diskussion eher auf der schwarzen Seite“, sagte Silvia Bourceau für die UWG. Man unterstütze definitiv die Gewerbegebietsausweisung und eine Weiterentwicklung der Gemeinde, dies aber keinesfalls im Außenbereich. Die aufgelegten Folien bei der Infoveranstaltung hätten in dieser Hinsicht „beim Bürger viel kaputtgemacht, was Vertrauen und Glaubwürdigkeit der Gemeinde angeht“, meinte Bourceau. Die UWG-Sprecherin begrüßte ausdrücklich die vom Bürgermeister vorgeschlagene Strategie einer Einzelbetrachtung aller Bereiche und einer Priorisierung.

Deutlich bezogen die Grünen Position zum Wachstum im Außen- wie im Innenbereich. Roetgen habe im Vergleich zu ähnlichen Gemeinden bereits jetzt einen sehr großen Allgemeinen Siedlungsbereich (ASB), stellte Gudrun Meßing fest. „Ein weiterer Bevölkerungszuwachs ist von der Infrastruktur her nicht zu verkraften; eine Entwicklung ist aber alleine durch die Schließung der Baulücken gegeben“, meinte die Grünen-Abgeordnete und verwies auf eine aktuelle Maßnahme an der B 258, „wo viele schöne Bäume abgesägt wurden und wahrscheinlich bald große, hässliche Mehrfamilienhäuser gebaut werden“. Alleine deshalb seien keine neuen Baugebiete notwendig. „Wir müssen versuchen, unsere Qualitäten hier in Roetgen zu erhalten – für die Menschen, die hier leben, und für die, die noch kommen.“

Baulücken und Neubezug

Auch ihr Fraktionskollege Bernhard Müller sieht Roetgen „an einem Punkt, wo die Gemeinde an den Grenzen einer Außenentwicklung angelangt ist“. Alleine durch das Füllen von Baulücken und den Neubezug bestehender Immobilien werde Roetgen in den kommenden Jahren weiter wachsen, glaubt Müller und übte sich in Sarkasmus: „Hier leben alleine über 1000 Bürger, die älter sind als 65 Jahre“, rechnete Müller vor, schloss sich selbst in diese Statistik mit ein und fügte hinzu: „Diese Menschen haben in den kommenden Jahren die Möglichkeit, von ihrem Ableben Gebrauch zu machen, so dass rein rechnerisch 1000 Wohneinheiten frei werden“, formulierte Bernhard Müller zur allgemeinen Erheiterung des Bauausschusses wie der Zuhörer. „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir eine grundsätzliche Begrenzung des Wachstums diskutieren müssen“, wiederholte Müller und wies das Argument des Baulands für junge Roetgener von der Hand: „Von 55 Häusern in Grepp 1 und 3 wurden genau zwölf an Roetgener verkauft, aber alleine 33 an Aachener“, meinte der Grünen-Abgeordnete. Dies seien konkrete Argumente, „warum wir es in Zukunft nicht mehr so machen dürfen wie die letzten 30 Jahre“, meinte Müller und kündigte an, dass die Grünen „dies zu einem zentralen Thema des Wahlkampfes 2020 machen“ würden.

Klaus Onasch (SPD) widersprach der Grünen-Auffassung vehement. „Wenn wir so beschließen, wie von Ihnen gefordert, maßt der Rat sich an, für die nächsten Gemeinderäte gleich mitzuentscheiden, dass hier niemand mehr hinziehen darf. Der Zugezogene Herr Müller spricht wie ein Ur-Roetgener und sagt: Das Boot ist voll, nach mir die Sintflut“, meinte der SPD-Sprecher und sprach von einer „seltsamen, populistischen Haltung“. Jedes weitere Baugebiet in Roetgen, blickte Onasch nach vorne, müsse doch erst den Weg über den Flächennutzungsplan gehen, „und da muss man doch keine Angst haben, dass hier gegen unseren Willen etwas bebaut wird“.

Während Wolfgang Schruff nochmals betonte, dass der PRB-Antrag nicht grundsätzlich Zuzug ablehne, berichtete Michael Schmitz (SPD), der erst seit Januar in Roetgen lebt, von seiner schwierigen Wohnungssuche und 27 Bewerbungen, die es auf die von ihm entdeckte Wohnungsanzeige gegeben habe. „Das zeigt doch, dass wir hier noch nicht am Ende einer Entwicklung angelangt sein dürfen“, meinte der junge Abgeordnete und stellte fest: „Wir beschließen hier heute keine Bebauung, verbauen aber mit einer Ablehnung künftigen Generationen die Möglichkeit, hier zu leben.“

10 000 Einwohner und mehr

Eine solche Entwicklung könne aber durchaus auch in der vorhandenen Besiedlung stattfinden, hielt Bernhard Müller nochmals fest: „Wir haben in Roetgen auch ohne weitere Baugebiete Entwicklungsmöglichkeiten auf 10 000 Einwohner und mehr“, zeigte sich der Grünen-Abgeordnete überzeugt. Auch Silvia Bourceau meinte, dass es in Roetgen auch ohne neue Gebiete „ein Riesenpotenzial an Entwicklungsmöglichkeiten“ gebe. Es gelte nun, diese konkret zu benennen und zu priorisieren, „dann werden wir sehen, was in Roetgen an Entwicklung möglich ist“.

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