Mähen, schneiden, pflegen und entsorgen

Immer häufiger kritisieren Bürger die Grünflächenpflege der Gemeinde Roetgen – laut Verwaltung meist aus Unwissenheit

19 Kilometer Wegeseitengräben, Rasenflächen in der Größe von neun Fußballplätzen, 2,3 Kilometer Hecke und 2400 Quadratmeter Beete: Die Grünflächenpflege nimmt breiten Raum ein im Tätigkeitsbereich der Gemeinde Roetgen. „Es ist uns ein Anliegen, einmal darzustellen, was der Bauhof und externe Dienstleister alles für das äußere Erscheinungsbild unserer grünen Gemeinde tun“, sagt Bürgermeister Jorma Klauss.

Die Außendarstellung sei der Verwaltung wichtig, da es aus Reihen der Bevölkerung zunehmend Kritik am Umfang der Grünflächenpflege in Roetgen gebe, wie Klauss zugetragen wurde. „Immer häufiger werden die Mitarbeiter unseres Bauhofes während der Grünflächenpflege angesprochen – und zwar in einer Art und Weise, die so nicht zu akzeptieren ist“, findet auch Dirk Meyer, der Leiter der Roetgener Bauverwaltung, klare Worte.

Zu viel oder nicht genug?

Dabei gehe die Bürgerkritik in die unterschiedlichsten Richtungen. „Dem einen mähen wir zu viel oder zu radikal, für den anderen kommen wir nicht oft genug vorbei und wieder andere stört ein Baum, der zu viel Laub abwirft“, gibt Dirk Meyer die Bürgerkritik wieder. Diese Kritik resultiere „in den allermeisten Fällen aus Unwissen“, ist der Leiter der Bauverwaltung überzeugt. Unwissen über die Vorgaben und den Umfang der Grünflächenpflege, die die Gemeinde zu leisten habe.

„Immer häufiger werden die Mitarbeiter unseres Bauhofes bei der Grünflächenpflege angesprochen – und zwar in einer Art und Weise, die so nicht zu akzeptieren ist.“

Dirk Meyer, Leiter der
Roetgener Bauverwaltung

Madeleine Behlke, bei der Gemeinde Roetgen zuständig für Grünflächen und Friedhöfe, und Katja Breda aus der Tiefbauabteilung der Verwaltung haben einmal aufgelistet, was genau die Grünflächenpflege seitens der Gemeinde Roetgen alles umfasst.

Grünflächen: Insgesamt werden im Gemeindegebiet 50 600 Quadratmeter Rasenflächen, auch Baumscheiben, Flächen entlang von Zäunen und Mauern sowie auf den kommunalen Friedhöfen durch ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen gemäht. Die Pflege erfolgt in der Regel 14-tägig ab März in acht bis zwölf Mähgängen. Der Rasen wird gemäht, das Schnittgut wird gesammelt und abgefahren. Die Bankette und Böschungen sowie die Flächen in Einmündungsbereichen von Straßen, Wegen und Plätzen werden zweimal im Jahr – im April und im September – geschnitten.

Ravel-Weg (Vennbahn): In einem Abkommen zwischen der Wallonischen Region und der Städteregion Aachen wurde vereinbart, dass die Gemeinde Roetgen einfache Unterhaltungsarbeiten im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht für die zugelassenen Verkehrsarten übernimmt. Dazu gehören Asphaltbefestigungen, Entwässerungseinrichtungen, Grünpflege- und Säuberungsarbeiten auf den Wegen und Rastplätzen, Wegweisung und Beschilderung. Die Arbeiten werden vom Bauhof der Gemeinde Roetgen verrichtet.

Beet- und Heckenpflege: Die gemeindeeigenen Hecken werden Anfang Oktober (nach der Vogelschutzzeit) bis Ende Februar entlang von Straßen, Wegen und an öffentlichen Einrichtungen durch ein von der Gemeinde beauftragtes Garten- und Landschaftsbauunternehmen geschnitten. Geschnitten werden insgesamt 2300 laufende Meter Hecke. Bei diesen Arbeiten wird das Schnittgut der Hecken gesammelt und abgefahren. Die Hecken auf den kommunalen Friedhöfen werden von den Gemeindearbeitern gepflegt.

2400 Quadratmeter Beete

Die einzelnen Beetflächen befinden sich innerhalb des Ortszentrums des Ortsteils Roetgen, im Gewerbegebiet und in den Neubaugebieten. Gepflegt werden 2400 Quadratmeter Beetflächen ebenfalls von einem externen Garten- und Landschaftsbauunternehmen. In den Monaten April, Juni, August und Oktober werden die Pflanzflächen in den Beeten und an den Baumscheiben von Unrat und Wildwuchs befreit und anschließend aufgelockert. Die Gehölze, die sich in den Beetflächen befinden, erhalten jeweils im Oktober einen Erziehungsschnitt, indem abgestorbene, kranke oder beschädigte Äste und Zweige entfernt werden.

Baumkontrolle: Zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht hat die Gemeinde einen kommunalen Dienstleister mit der Erfassung und Kontrolle von Bäumen an Straßen, Wegen und Plätzen beauftragt. Die baumpflegerischen Maßnahmen werden von diesem in Dringlichkeitsstufen festgelegt und der Gemeinde mitgeteilt. Bisher wurden 5200 Bäume erfasst und kontrolliert. Je nach Art der erforderlichen Maßnahme und Schädigungsgrad an den Bäumen werden die Arbeiten vom Bauhof der Gemeinde oder einer externen Firma verrichtet.

Straßen: Der kommunale Dienstleister erfasst und kontrolliert ebenfalls alle Nebenanlagen (Gehwege) an Bundes- und Landstraßen, gemeindeeigene Straßen (inklusive den Nebenanlagen) sowie befestigte Wirtschaftswege, Rad- und Wanderwege in unterschiedlichen Intervallen. Die möglichen Gefahrenstellen werden der Gemeinde mitgeteilt und durch den Bauhof der Gemeinde Roetgen oder eine externe Firma beseitigt.

Gräben, Senken und Gewässer: Die Reinigung der Wegeseitengräben erfolgt zweimal im Jahr auf einer Strecke von 19 Kilometern durch ein Dienstleistungsunternehmen, meist Anfang November und Anfang Mai, je nach Vegetationsfortschritt. Bei dieser Reinigung wird lediglich das angefallene Laub aus den Gräben entfernt. Mulcharbeiten im Graben- und Bankettbereich finden laufend bzw. nach Bedarf statt. Diese und auch weitergehende Maßnahmen wie z. B. das Ausbaggern eines Grabens werden durch den Bauhof der Gemeinde Roetgen ausgeführt. Arbeiten am Gewässer, wie Mäharbeiten und leichte Gehölzrückschnitte, werden einmal jährlich vom WVER vorgenommen. Grabenverrohrungen in Zufahrten sind durch den jeweiligen Privateigentümer zu unterhalten. Die Senkenreinigung findet zweimal jährlich statt.

„Roetgen ist eine grüne Gemeinde, und wir haben viel kultivierte Fläche zu pflegen. Aber unsere Grünflächen sind kein englischer Rasen und werden mit der Maßgabe gepflegt: so viel wie nötig, aber auch so wenig wie möglich“, fasst der Bürgermeister zusammen. „Und den Baumbestand schützen wir auch ohne Baumschutzsatzung“, ergänzt Dirk Meyer, für den auch die vielen Wegeseitengräben quasi ortstypisch sind und die Hecken heimische Gehölze sein sollten. „Wenn es demnächst um das Gestaltgutachten für die Gemeinde geht (Anm. der Redaktion: heute um 19 Uhr Bürgerinfo im Bürgersaal Roetgen), dann werden wir auch viel über Grünflächen und -gestaltung reden“, kündigt Dirk Meyer an.

Karten mit Ansprechpartnern

Gerne sind er und die Grünflächen-Experten der Roetgener Bauverwaltung zum Gespräch bereit mit Bürgern, die Kritik an der Pflege äußern oder Anregungen geben möchten. „Die Bürger sollen mit uns das Gespräch suchen statt mit den Mitarbeitern vor Ort, die letztlich nur für das Allgemeinwohl arbeiten“, möchte Meyer den Bauhof ein Stück weit aus der Schusslinie nehmen. Die Gemeindeverwaltung hat deshalb alle Bauhoffahrzeuge mit Karten ausgestattet, auf denen die Kontaktdaten der Ansprechpartner zu finden sind.

Quelle: Text und Foto: H. Schepp

 

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