Experten aus den Orten wollen den Bürgern helfen

Private Initiativen beantworten Fragen rund um den geplanten Internetausbau durch die Deutsche Glasfaser GmbH in Simmerath und Roetgen.

Die Deutsche Glasfaser GmbH hat in den vergangenen Wochen und Monaten in den Gemeinden Simmerath und Roetgen massiv um Kunden geworben. Wenn mindestens 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag abschließen, will das Unternehmen ohne zusätzliche Fördergelder ein eigenes Glasfasernetz aufbauen, bei dem die Anschlüsse direkt bis in die Wohnung verlegt werden (Fiber to the home). Die Frist wurde bis zum 4. September verlängert, doch bislang hat nur das geplante Ausbaugebiet Eicherscheid, Hammer, Huppenbroich die 40-Prozent-Marke geknackt.

Private Initiativen wollen in den beiden Kommunen jetzt die letzten Zweifel beseitigen, Missverständnisse ausräumen und den Bürgern mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wir wollen gerne Rede und Antwort stehen. Wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, falls es vor, während oder nach der Bauphase zu Problemen kommen sollte“, erklärte Fachinformatiker André Bohnen aus Huppenbroich jetzt im Rahmen eines Pressetermins, zu dem Mitglieder einer der Initiativen in das Simmerather Rathaus eingeladen hatten. Bohnen war auf einer der zahlreichen Informationsveranstaltungen auf Jannik Zimmer aus Eicherscheid getroffen. Gemeinsam mit anderen riefen sie anschließend in dem sozialen Netzwerk Facebook eine Gruppe mit dem Namen „Glasfaser für die Gemeinde Simmerath“ ins Leben, um älteren Menschen bei Fragen zum Thema Glasfaser mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Bei dieser Informationsveranstaltung haben wir gemerkt, dass viele ältere Menschen mit dem Thema überfordert sind. Denen wollen wir helfen“, sagte Jannik Zimmer, der als Elektroniker arbeitet. „Es geht darum, die Zukunft in unsere Orte zu bringen. Denn andere Betreiber machen es nicht“, sagte Daniel Bollig aus Steckenborn. Er ist gelernter Energieelektroniker und arbeitet als Lebensmittelkaufmann. „Es geht darum, Fehlinformationen zu vermeiden und einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten“, erläuterte er. Er lebe zurzeit in Aachen und sorge sich, in technischer Hinsicht das Nachsehen zu haben, wenn er in sein Heimatdorf Eicherscheid zurückkehre, sagte der Informatiker Michael Rüttgers. Unter dem Motto „Bürger-für-Bürger-Information“ bieten sie und ihre Mitstreiter nun zwei Beratungstermine im Rathaus in Simmerath an (siehe Box). Auch in Roetgen gibt es eine Initiative die ihrerseits zwei Beratungstermine im Roetgener Rathaus anbietet.

Bei dem Pressetermin, an dem auch Simmeraths Bürgermeister, Karl-Heinz Hermanns, und Roetgens Bürgermeister, Jorma Klauss, sowie Dennis Schiefke, Projektmanager Sales bei der Deutschen Glasfaser, teilnahmen, wurde nochmals auf häufig gestellte Fragen nochmals eingegangen. Dazu gehörte auch die Frage, wie sich die Sache bei Mehrfamilienhäusern darstelle. Hier sei für jede Wohnung ein einzelner Antrag nötig, erklärte Schiefke. Es sei auch möglich, einzelne Wohnungen an das Glasfasernetz anzuschließen. Die Einrichtung des Anschlusses sei aber nur bis zum Stichtag kostenlos. Wer sich erst später für einen Anschluss entscheide, müsse dann für die Einrichtung mindestens 750 Euro bezahlen. Es sei ein Gerücht, dass es bei Mehrfamilienhäusern ausreiche, wenn sich ein Mieter jetzt für den Anschluss entscheide und die anderen später zu den gleichen Bedingungen nachziehen könnten. „Das ist nicht der Fall. Sparen kann man nur jetzt“, betonte Schiefke.

„Wir wollen gerne Rede und Antwort stehen. Wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, falls es vor, während oder nach der Bauphase zu Problemen kommen sollte.“

André Bohnen, Mitglied
der privaten Initiative

Wie gewährleistet werden könne, dass bei den Bauarbeiten alles ordnungsgemäß ablaufen wird, ist eine andere häufig gestellte Frage. Dazu erklärten die Bürgermeister, dass die beiden Gemeinden ein Auge darauf haben werden. „Dafür werden wir zusätzliches Personal bereitstellen, das nicht im Alltagsgeschäft gebunden ist“, sagte Klauss. Schon aus Eigeninteresse werde man bei den Bauarbeiten vor Ort sein. „Wir wollen das uns Mögliche tun, damit die Arbeiten zügig und reibungslos ablaufen“, sagte Hermanns.

Schiefke ging auf ein weiteres Gerücht ein: „Wir hören immer wieder, dass wir die Frist so lange verlängern würden, bis wir die 40 Prozent erreicht haben. Wenn wir eine Verlängerung machen, dann machen wir das aber nur einmal“, betonte der Vertreter der Deutschen Glasfaser. Normalerweise werde die Frist um vier bis acht Wochen verlängert. Aufgrund der Sommerferien habe man sich hier für eine Verlängerung von zwölf Wochen entscheiden. „Wenn die 40 Prozent am 4. September nicht erreicht sind, können wir hier kein flächendeckendes neues Netz verlegen“, sagte Schiefke.

Die Bürgermeister begrüßten das Engagement der privaten Initiativen. Schließlich handele es sich mit Blick auf Infrastruktur, Bildung und viele andere Bereiche um ein sehr wichtiges Projekt für die Gemeinde, sagte Hermanns. „Es geht letztlich um die Zukunftsfähigkeit der beiden Kommunen. Die Bürger haben das jetzt in der Hand“, betonte Klauss.

Beratungstermine und aktuelle Zahlen

Die Beratungstermine unter dem Motto „Bürger-für-Bürger-Information“ finden im Rathaus Simmerath am Montag, 28. August, und am Mittwoch, 30. August, jeweils von 18 bis 20 Uhr statt. Im Roetgener Rathaus finden die Beratungstermine am Dienstag, 22. August, und am Donnerstag, 24. August, jeweils von 18 bis 20 Uhr statt.

Zurzeit sieht der Stand der Nachfragebündelung in den einzelnen Orten der Gemeinden Roetgen und Simmerath wie folgt aus (Stand Dienstag, 15. August): Roetgen 36 Prozent; Rott und Mulartshütte 31 Prozent; Lammersdorf, Kämpchen, Waldsiedlung, Paustenbach 34 Prozent; Simmerath, Witzerath, Kesternich 31 Prozent; Rollesbroich, Strauch 30 Prozent; Woffelsbach, Rurberg, Steckenborn 24 Prozent; Einruhr, Seifenauel, Dedenborn, Erkensruhr 26 Prozent; Eicherscheid, Hammer, Huppenbroich 41 Prozent.

Quelle: Text und Foto: A. Gabbert

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