Eine Runde durch Shanghai in Roetgen

Faszinierendes Panoramafoto: Die mobile Installation des Architekturfotografen Hans Georg Esch steht bis zum 3. Oktober am Vennbahnweg

Die chinesische 22-Millionen-Einwohner-Metropole Shanghai dürfte in den nächsten Wochen das wohl am häufigsten fotografierte Objekt in Roetgen sein. Der Grund dafür versteckt sich in einem futuristisch wirkenden silberfarbenen Metallrundbau, der direkt am Vennbahnradweg nahe des Pferdeweihers steht.

In der 4,95 Meter hohen und 29,4 Meter Umfang messenden mobilen und behindertengerechten Rotunde offenbart sich dem staunenden Betrachter ein riesiges Panoramafoto der asiatischen Mega-City. Mit einem 360-Grad-Blick kann man die ganze Faszination der Stadt detailliert erfassen, angefangen vom markanten Fernsehturm über Hunderte Wolkenkratzer bis hin zu flanierenden Menschen am Flussufer. Die spektakuläre Aufnahme aus dem Jahr 2015 ist eine Arbeit des renommierten Architekturfotografen Hans Georg Esch, der vor drei Jahren bereits eine ähnliche Installation von New York in Rurberg zeigte.

Am Freitag wurde die Roetgener Installation im Beisein des Fotografen eröffnet. Dass es dabei zeitweise regnete, trübte den Eindruck der Besucher keineswegs.

„Ich sehe mich als Zeitzeuge der Urbanisierung.“
Hans Georg Esch, Architekturfotograf

Das Panoramafoto entstand aus 120 Metern Höhe mit Hilfe einer eigens angefertigten 25-Kilogramm-Drohne, die dank ihrer 16 Rotoren in der Luft unbeweglich verharren kann. Die 60 entstandenen Einzelaufnahmen mit einer bestechenden Detailschärfe wurden dann in einem aufwendigen Verfahren digital zusammengerechnet. Zwei Mitarbeiter des Fotografen brauchten dafür sechs Wochen.

„In diesem Bild kann sich verlieren und regelrecht hineinsinken“, sagte Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss bei der Eröffnung, die allerdings gar nicht auf Gemeindegebiet stattfand, denn die Rotunde steht auf dem Hoheitsgebiet des Königreiches Belgien, was auch die ein Jahr lang dauernden Vorbereitung des Projektes erklärt. Gemeinsam mit dem Fotografen hatte Klauss verschiedene Standorte geprüft, aber der nun gefundene war nicht zu übertreffen.

Für den Bürgermeister war es ein „spezielles Erlebnis“ Hochhäuser in Roetgen zu betrachten. Dabei stelle die aktuelle Diskussion im Ort um die Ortsentwicklung und die damit verbundene Höhe von Gebäude neben dem touristischen Aspekt durchaus einen konkreten Bezug zur kommunalpolitischen Wirklichkeit dar.

Täglich wird ein Hochhaus fertig

Auch Axel Hartmann, der Allgemeine Vertreter des Städteregionsrates, fühlte sich von dem faszinierenden Foto inspiriert: „Damit werden nicht nur die Sinne angesprochen sondern auch dem Geist Impulse verliehen.“

HG Esch zeigte sich „unheimlich stolz“, dass er in diesem Kontext ein „Seherlebnis“ in die Kommune bringen könne, wobei in Shanghai der Bauboom fast überdimensionale Ausmaße annehme: „Hier wird jeden Tag ein Hochhaus fertig. Das ganze Bild ist voller Brennpunkte.“ Fast 30 Mal war der Fotograf bereits in Shanghai: „Ich habe diese Stadt wachsen sehen. Ich sehe mich als Zeitzeuge der Urbanisierung“.

Dass die Shanghai-Rotunde, die zuvor unter anderem in New York, Köln, Mailand, Hamburg und Budapest zu sehen war, jetzt nach Roetgen kommt, wirft nicht nur internationalen Glanz auf die kleine Kommune, sondern zeigt auch die hervorragende Vernetzung der Stabsstelle Kultur der Städteregion Aachen, vertreten durch Stabsstellenleiterin und Initiatorin Nina-Mika Helfmeier, die im Zwiegespräch mit dem Künstler verriet, das HG Esch in zwei Jahren auch im Kunst- und Kulturzentrum in Monschau ausstellen wird.

Zuvor aber hat der Fotograf noch weitere Panorama-Projekte im Blick. Bald folgt eine Rundumsicht der Stadt Köln, die dann unter anderem in der chinesischen Partnerstadt Peking gezeigt werden soll.

Auf der Wunschliste des Architekturfotografen steht aber auch noch seine Lieblingsstadt Rio de Janeiro – zwei Projekte von man nur hoffen kann, dass sie erneut den Weg in die Eifel finden werden. Bezugspunkt zu ländlichen Regionen würden sich bestimmt wieder finden lassen.

Quelle: Foto und Text: P. Stollenwerk

 

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