„Eifel geht großen Schritt nach vorne“

Die Deutsche Glasfaser GmbH wird in den Gemeinden Roetgen und Simmerath ein neues Netz aufbauen. Rurseeorte profitieren nicht.

Die Deutsche Glasfaser GmbH wird in den Gemeinden Roetgen und Simmerath Glasfaserleitungen bis in die Häuser („Fiber to the home“) verlegen. Das wurde am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz im Roetgener Rathaus der Öffentlichkeit mitgeteilt. Mit dem neuen Glasfasernetz sollen in den kommenden Jahren zunächst Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s sowohl im Download als auch im Upload möglich sein.

Das Unternehmen hatte angekündigt, ohne zusätzliche Fördergelder ein eigenes, von der Telekom unabhängiges Glasfasernetz aufzubauen, wenn mindestens 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag abschließen würden. Ende März wurde das Vorhaben in den politischen Gremien der beiden Kommunen vorgestellt, wo es wohlwollend aufgenommen wurde. Im April schlossen die Gemeinden dann einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser ab.

Investition von 16 Millionen Euro

Auf zahlreichen Informationsveranstaltungen versuchte das Unternehmen, die Bürger in den einzelnen Orten zu überzeugen. Auch zahlreiche Privatpersonen stellten sich in den Dienst des Unternehmens und warben für den Ausbau. Bis zum Stichtag am 3. Juli wurde aber in keinem der Gebiete die Vertragsquote erreicht.

„Nach dem Sommer sollte dann jeder seinen Anschluss haben.“

Marco Westenberg, Regionalleiter bei der Deutschen Glasfaser

Daraufhin wurde die Frist noch bis zum 4. September verlängert. Anschließend dauerte es noch einige Zeit, bis alle Verträge erfasst waren.

Die Gemeinde Roetgen werde inklusive Rott und Mulartshütte bis auf einzelne weit außen liegende Gebäude komplett erschlossen. Bei den Einzelfällen sei man aber auch gesprächsbereit, sagte Marco Westenberg, Regionalleiter Niederrhein bei der Deutschen Glasfaser.

In Simmerath, Witzerath und Kesternich habe man bislang zwar nicht die erforderliche 40-Prozent-Quote erreicht, man gehe aber davon aus, dass noch genügend Verträge abgeschlossen würden. „Da müssen wir ohnehin durch“, sagte Westenberg und erklärte, dass man diese Orte mit in die Netzplanung aufnehmen werde. Insgesamt würde die Deutsche Glasfaser dann rund 10 000 Anschlüsse in den beiden Kommunen verlegen (ohne diese Orte rund 7200).

Erschlossen werden die Orte Lammersdorf, Paustenbach, Strauch, Rollesbroich, Eicherscheid, Hammer, Steckenborn und Huppenbroich.

Vorläufig nicht in die Planung aufgenommen werden die Orte Einruhr, Dedenborn, Rurberg, Erkensruhr und Woffelsbach. „Wenn bis zum 15. November noch eine Welle an Verträgen kommt, werden wir uns vielleicht noch anders entscheiden“, sagte Westenberg. Dies sei der Stichtag für die Netzplanung.

Ein weiterer Stichtag sei der 30. November. Bis dahin könnten noch Verträge zu vergünstigten Konditionen abgeschlossen werden. Wer danach noch einen Vertrag abschließen wolle, müsse mit deutlich höheren Anschlussgebühren rechnen, außerdem würden die bis dahin angemeldeten Haushalte zuerst an das Netz angeschlossen.

Weil in der Eifel viele kleine Orte beim Glasfaserausbau miteinander verknüpft werden müssen, werde man mehr als 12 000 Kilometer Glasfaserleitung verlegen, sagte Westenberg. Rund 16 Millionen Euro werde das Unternehmen investieren und in der Eifel „eine für Deutschland besondere Situation“ schaffen. Erfahrungen aus den Niederlanden würden zeigen, dass die Zahl der IT-Unternehmen in solchen Bereichen stark ansteige.

Über den Bauablauf sagte Westenberg, dass im November und Dezember mit dem Bau von zwei größeren Verteilstationen in Roetgen und Simmerath sowie acht kleineren für die Anschlüsse in den Orten begonnen werde. Die Verbindungen zwischen den Orten würden dann zwischen Dezember und März geschaffen. Es sei damit zu rechnen, dass im Januar bereits die ersten Haushalte in Roetgen und Lammersdorf angeschlossen werden könnten. Die ersten Anschlüsse seien dann voraussichtlich ab Februar oder März nutzbar. „Wir sind auch daran interessiert, dass es schnell geht. Nach dem Sommer sollte dann jeder seinen Anschluss haben“, sagte Westenberg.

Roetgens Bürgermeister, Jorma Klauss, freute sich über die Nachricht und sagte: „Es geht darum, dass wir ein zukunftsfähiges Netz in die Gemeinden bekommen, das uns auch von anderen Kommunen unterscheidet. Das zeigt, dass wir im Süden der Städteregion und in der Eifel einen großen Schritt nach vorne gehen.“ Er bat um Verständnis, dass es in der Bauphase zu Beeinträchtigungen kommen könnte. Der Beigeordnete der Gemeinde Simmerath, Bennet Gielen, hofft, „dass Simmerath, Kesternich und Witzerath jetzt geweckt sind“. Es sei schade für die Rurseeorte, dass der Bedarf dort nicht so groß sei. Dies hänge wohl auch mit den vielen Ferienwohnungen zusammen. Wichtig sei aber, dass der Ausbau in der Gemeinde überhaupt erfolge.

Das nächste Ziel ist die Stadt Monschau

Mit der Stadt Monschau hat die Deutsche Glasfaser ebenfalls Kontakt aufgenommen und würde dort auch gerne ihr Netz anbieten. Dafür müsse aber noch in diesem Jahr eine politische Entscheidung fallen, sagte Regionalleiter Westenberg.

„Wir freuen uns, dass es in Roetgen und Simmerath klappt. Wir werden jetzt vor den Herbstferien einen Termin mit der Deutschen Glasfaser vereinbaren, um das Vorgehen abzustimmen“, erklärte Monschaus Bürgermeisterin, Margareta Ritter auf Anfrage.

Quelle: Text: A. Gabbert; Fotos: A. Gabbert, P. Stollenwerk

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