Anregung, sich mit Politik zu beschäftigen

Roetgener Jugendbeirat informiert im Bürgersaal vor der Bundestagswahl. Aktion zielt besonders auf die Noch-nicht-Wähler.

Die Uhr tickt: Am 24. September wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Der Jugendbeirat aus Roetgen nahm dies zum Anlass, um eine Informationsveranstaltung mit virtuellem Rundgang im Bürgersaal abzuhalten, wo alle Interessierten – besonders Kinder und Jugendliche – näheres über CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke und AfD erfahren konnten. Um die Kandidaten für die Region besser kennenzulernen, hatte der Jugendbeirat Video-Präsentationen vorbereitet, die über angemietete Fernseher abgespielt wurden. Flyer und Broschüren der Parteien lagen zur kostenlosen Mitnahme aus, genauso wie Informationsmaterial des Bundestags.

Wahl-O-Mat und Film

An einer Laptopstation war die Seite des „Wahl-O-Mat“ geöffnet, der noch unentschiedenen Wählern eine Wahlhilfe bietet. Damit auch die jungen Bürger Deutschlands gut informiert sind, wurde der Film „Applaus für Felix“ der Bundespresseagentur gezeigt, der in 30 Minuten kindgerecht erklärt, was Demokratie ist.

Bewusst wurden zu diesem Termin keine Politiker eingeladen, da keine Werbung für die einzelnen Parteien gemacht werden sollte. Vielmehr ging es dem Jugendbeirat darum – in Zeiten von Politikverdrossenheit – viele Menschen aus Roetgen und der Umgebung anzusprechen und eine Diskussion über Politik zu starten. Im Rahmen der U-18-Wahl, die der Jugendbeirat am 15. September von 13 bis 18 Uhr in den Pfarrheimen in Rott und Roetgen veranstalten wird, suchte man besonders das Gespräch mit Jugendlichen, die in diesem Jahr noch nicht zur Zusammenstellung des Bundestages beitragen werden.

Um ein erstes Gefühl für die Parteienlandschaft in Deutschland zu bekommen, kamen 90 Schülerinnen der St.-Ursula-Realschule aus Monschau mit Direktorin Dorothee Spinrath und Lehrerin Kathrin Wieczorek nach Roetgen. Wieczorek, die Politik-und Sozialwissenschaften unterrichtet, hatte von der Veranstaltung erfahren und direkt beschlossen, dass ihre Schülerinnen daran teilnehmen sollen: „Auch wenn meine Schülerinnen erst in ein paar Jahren das erste Mal wählen werden, möchte ich sie darauf vorbereiten. Um so früher sie wissen, wie es funktioniert, um so leichter wird es ihnen später fallen.“ Eine der anwesenden Schülerinnen war die 15-jährige Jolina aus der 9. Klasse: „Ich finde die Veranstaltung gut. Ich gehe zwar erst in drei Jahren wählen, aber ich habe heute schon sehr viel dazugelernt.“

Die Freundinnen Nele und Sophie, beide 12 Jahre alt, besuchen die 7. Klasse der Mädchenrealschule. Für den Sowi-Unterricht hatten sie sich Fragen zu den einzelnen Parteien überlegt, die sie mit Hilfe der Videos und den Flyern schnell beantworten konnten.

Besuch aus Monschau

Direktorin Spinnrath begleitete gerne ihre Schützlinge in den Roetgener Bürgersaal: „Hier wird man auch als Erwachsener gut informiert. Dazu ist der Jugendbeirat sehr freundlich. Jeder wird begrüßt und sehr ernst genommen.“ Als „gelungen“ bewerte die Direktorin den Medienrundgang durch die sechs Parteien, da die Texte der Präsentationen „attraktiv, kurz und absolut gelungen“ seien. Spinnrath freut sich dazu schon auf den 21. September. An diesem Tag wird auch bei St. Ursula eine „Juniorwahl“ stattfinden, wo die minderjährigen Schülerinnen – „genau wie bei den Erwachsenen“ – von Wahlhelfern betreut werden, einen Stimmzettel ausfüllen und ihn anschließend in eine Wahlurne werfen werden.

„Manche Kinder wissen gar nicht, wie ihre Eltern zu einer Wahlentscheidung kommen. Hier können wir das üben. Wir wollen die Hemmschwelle abbauen, dass Politik und Parteiinhalte einen überwältigen“, so die Direktorin.

Aber auch politikbegeisterte Jugendliche ohne die Anbindung durch die Schule kamen zu der Informationsveranstaltung. Die 15-jährige Anna und die 16-jährige Britta probierten beide den „Wahl-O-Mat“ aus, den sie als „selbsterklärend und wirklich nicht schwer“ bewerteten. Anna besuchte bereits mehrere Veranstaltungen für politikinteressierte Jugendliche, die selbst noch nicht wählen dürfen. Sie lobte die Mitglieder des Jugendbeirates, da diese sie zu Beginn rumgeführt und ihr alles genau erklärt hätten. Beide Mädchen werden an der U-18-Wahl am Freitag in Roetgen teilnehmen.

Großes Engagement

Die Brüder Christian und Florian vom Jugendbeirat waren glücklich, dass viele Menschen den Weg in den Bürgersaal gefunden haben: „Wir alle arbeiten hart für den Jugendbeirat. Heute Nacht haben wir nur zwei Stunden geschlafen.“ Zu fünft hatte der Jugendbeirat innerhalb von 90 Minuten die kleine Wahlarena im Bürgersaal aufgebaut, die Technik verkabelt und Essen und Trinken kostenlos bereitgestellt. Momentan besteht der Beirat in Roetgen aus neun Jugendlichen, die ihren Heimatort mitgestalten wollen. Da einige Mitglieder aufgrund des beginnenden Studiums Roetgen verlassen mussten, ist der Rat immer wieder auf der Suche nach neuen, interessierten Jugendlichen. Für die nächsten Monate plant der Jugendbeirat viele weitere Veranstaltungen, zum Beispiel ein Jugendkino und einen Umwelttag. Besonders am Herzen liegt den Jugendlichen, dass die Busverbindungen nach Roetgen auch nachts besser funktionieren. Dafür werden sie noch in diesem Jahr einen Antrag stellen, damit das dafür benötigte „Aseag-Sammel-Auto“ auch noch zu später Stunde Roetgen und Rott anfährt.

Quelle: Text und Foto:

Teile und empfehle uns!