Ortsbus soll in Roetgen automatisiert und vernetz fahren

Automatisiert, autonom, vernetzt und elektrisch: So könnte die Zukunft des ÖPNV innerhalb der Gemeinde Roetgen aussehen. Die Gemeinde will nämlich die Möglichkeit prüfen, ob der Ortsbus in einigen Jahren durch ein individuelles System des automatisierten und vernetzten Fahrens ersetzt werden kann.

Dann würde es keine festen Routen und Fahrpläne mehr geben, die Fahrtstrecke würde allein durch die Nachfrage bestimmt, und auch ein Fahrer würde nicht mehr benötigt.

Nun sollen Förder- und Kooperationsmöglichkeiten für ein Testgebiet beziehungsweise für ein vollständiges Verkehrssystem in Roetgen geprüft werden. Das hat der Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss auf Antrag der SPD jetzt bei einer Gegenstimme (Bernd Vogel/PRB) beschlossen.


Förderung durch Bundesministerium
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sieht in der fortschreitenden Digitalisierung der Verkehrssysteme enorme Chancen für die Gesellschaft. Auf seiner Internetseite www.bmvi.de stellt das Ministerium Informationen zum automatisierten und vernetzten Fahren bereit. Dort heißt es unter anderem: „Das automatisierte und vernetzte Fahren ist ein wichtiger Bestandteil moderner Mobilität. Mit diesen Technologien soll der Straßenverkehr sicherer, komfortabler, effizienter und umweltverträglicher gestaltet werden.“ Bei der Schaffung der Rahmenbedingungen habe Deutschland eine internationale Vorreiterrolle erreicht, die es weiter auszubauen gelte. Das BMVI sorge dafür, dass Kompetenzträger aus Wirtschaft, Forschung, Verbänden, Verwaltung und Politik zusammenwirken. „So soll der Weg für gesamtgesellschaftlich tragfähige Lösungen geebnet werden.“

Mit über 2 Millionen Euro fördert das BMVI im Rahmen des schleswig-holsteinischen Netzwerkes „Autonomes Fahren im ländlichen Raum“ die Entwicklung eines nachfragegesteuerten und autonom fahrenden Busses. An dem Innovationsnetzwerk, aus dem heraus das Projekt initiiert wurde, ist auch die Christian-Albrecht-Universität in Kiel beteiligt.

Das bestehende Ortsbussystem sei wenig individuell, und es würden sich regelmäßig Umsteigezeiten mit Verzögerungen ergeben. Der Ortsbus erfahre bisher wenig Akzeptanz und werde nicht intensiv genutzt. Nicht selten komme es auch zu Leerfahrten, erläuterte Rainer Nießen (SPD). Mit modernen Technologien könne der Straßenverkehr sicherer, komfortabler, effizienter und umweltverträglicher gestaltet werden. Durch die höhere Individualität, höhere Effizienz und durch elektrischen Antrieb könne eine höhere Akzeptanz und Nutzung für ein automatisiertes und vernetztes Fahren erreicht werden. Leerfahrten seien damit ausgeschlossen, und in der Folge ergebe sich auch eine höhere Umweltverträglichkeit.

„Im ländlichen Bereich wie Roetgen kann das System besonders effizient betrieben werden“, hatte die SPD in ihrem Antrag geschrieben. Sie regte an, eine Teststrecke zu betreiben oder betreiben zu lassen (zum Beispiel durch die Aseag), damit festgestellt werden kann, ob das automatisierte Fahren mit Kleinbussen eine Alternative zum Ortsbus sein kann. Die Verwaltung soll dabei prüfen, ob eine Kooperation mit Firmen, die automatisiert fahrende Kleinbusse entwickeln oder herstellen, möglich ist. Auch die RWTH könne in das Projekt zu Forschungs- und Entwicklungszwecken einbezogen werden. Dabei müsse geprüft werden, welche Fördermöglichkeiten durch den Bund beziehungsweise durch das Land NRW bestehen, erklärte die SPD.

Bernhard Müller (Grüne) fand den Vorschlag „sehr gut“. „Das sollten wir auf den Weg bringen“, sagte er. „Das ist eine gute Überlegung, aber sie bringt uns keinen Schritt weiter“, meinte hingegen Bernd Vogel (PRB). Ohne ein 5G-Mobilfunknetz sei autonomes Fahren nämlich nicht möglich.

Stephan Speitkamp (CDU) unterstützte den Antrag, befürchtete aber, dass die Gemeinde mehr Modellregion für ein solches Projekt werden könne. „Einen Versuch ist es aber wert“, sagte er und regte an, im Bürgersaal einen Experten über den Stand der Technik und den Zeitrahmen berichten zu lassen. „Ich glaube, dass das die Bürger interessieren würde“, sagte Speitkamp.

Florian Rohn sprach als Vertreter des Jugendbeirates von einem „tollen und innovativen Antrag“. Er sah hier einen Mehrwert für die Bürger und insbesondere auch Vorteile für ältere Menschen und ihre Mobilität.

Auch Silvia Bourceau (UWG) bezeichnete den Antrag als „gut“ und hofft, „dass er nicht in der Schublade landet“. Gleichzeitig forderte sie dazu auf, den Blick auf die Gegenwart zu richten und zügig für eine Verbesserung des ÖPNV zu sorgen. „Wir verlieren uns in der Zukunft. Wir haben das eine nicht im Griff und packen das Nächste an. Lasst uns auch um das Hier und Jetzt kümmern“, appellierte Bourceau. Franz-Josef Zwingmann (FDP) verwies auf einen ähnlichen Vorschlag von Bernd Vogel und signalisierte die Zustimmung seiner Fraktion.

Der parteilose Günther Severain regte an, wie von Speitkamp vorgeschlagen zunächst eine Info-Veranstaltung für die Bürger abzuhalten und dann einen Beschluss zu fassen.

Von Andreas Gabbert
AN am 6. März


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